Kann Europa seine Abhängigkeit von Visa und Mastercard reduzieren? Digitale Euro-Gespräche stocken im Parlament

Gesetzgeber ringen um Einigung bei EZB-gestütztem Projekt, da politische Spaltungen seinen Umfang zu verkleinern drohen

Die Weiterentwicklung des digitalen Euro der EU ist auf einen weiteren politischen Stolperstein gestoßen, und plötzlich fragen sich alle: Kann Europa sich tatsächlich vom Griff amerikanischer Zahlungsriesen wie Visa und Mastercard befreien?

Derzeit sind die Diskussionen im Europäischen Parlament zum Erliegen gekommen. Der Grund: Fernando Navarrete Rojas, der federführende Berichterstatter, hat sich unerwartet mit rechtsextremen Fraktionen zusammengetan, was die Bemühungen, eine breite Unterstützung für den Gesetzentwurf zu finden, erschwert. Diese digitale Euro-Initiative, die fest auf der Agenda der EZB steht, soll eine elektronische Version von öffentlichem Geld einführen, etwas, das neben Bargeld existieren und mit privaten Banken zusammenarbeiten soll.

Nach den ursprünglichen Vorstellungen Brüssels sollte diese neue Währung sowohl online als auch offline nutzbar sein. Aber hier wird es knifflig: Navarrete beharrt auf einem Modell, das nur offline funktioniert – ein Schritt, der laut seinen Kritikern das Potenzial des Projekts dramatisch einschränken und sogar seine gesamte strategische Begründung untergraben würde.

Als Berichterstatter soll er Verhandlungen leiten und parteiübergreifenden Konsens herstellen (leichter gesagt als getan). Doch Insider sagen, sein jüngster Kompromissversuch beinhalte Änderungen, die für diejenigen, die den umfassenderen Plan der Kommission verwirklicht sehen wollen, schlichtweg inakzeptabel sind. Diese Pattsituation wurde bei einem besonders angespannten Treffen Anfang dieser Woche deutlich; die Gesetzgeber gaben im Wesentlichen zu, dass sie feststeckten, der Text gehe „nirgendwohin“, wie es mehrere formulierten.

Die vorläufige Abstimmung im Mai wird also wohl weiter nach hinten verschoben. Und machen wir uns nichts vor: Der Zeitpunkt könnte politisch nicht heikler sein. Die Mitgliedstaaten haben ihre Position auf Ratsebene bereits festgelegt, aber ohne die Zustimmung des Parlaments gibt es kein grünes Licht für Trilogs-Verhandlungen. Warum überhaupt diese Dringlichkeit einer digitalen Zentralbankwährung?

Bei genauerem Hinsehen hat dies alles mit der wachsenden wirtschaftlichen Reibung zwischen Europa und Washington zu tun. Visa und Mastercard sind nicht nur Akteure; sie dominieren derzeit den Großteil des europäischen Kartenzahlungsverkehrs. Tatsächlich zeigen EZB-Zahlen, dass diese beiden amerikanischen Giganten 61 % der Kartentransaktionen in der EU abwickeln, und fast jede grenzüberschreitende Transaktion läuft über sie. Befürworter eines digitalen Euro behaupten, die Einführung von staatlich gestütztem E-Geld würde Europas finanzielle Unabhängigkeit stärken und den Bürgern endlich direkten digitalen Zugang zu öffentlichen Geldern ermöglichen (derzeit nur mit physischem Bargeld möglich). Deutschlands Vizekanzler Lars Klingbeil hat sich nicht gescheut, zu mehr Bewegung aufzurufen; er warnt davor, dass Zögern Europas Wettbewerbsfähigkeit global ernsthaft beeinträchtigen könnte.

Die deutschen Mitglieder der Europäischen Volkspartei scheinen ihrerseits generell an Bord zu sein, auch wenn einige interne Meinungsverschiedenheiten ungelöst bleiben. Gleichzeitig warnen Interessenvertretungen davor, dass aktuelle Kompromisse einen Großteil dessen, was dieses Projekt überhaupt erst verfolgenswert macht, zunichtemachen könnten. Laura Casonato von Positive Money Europe weist darauf hin, dass es positive Schritte zum Datenschutz und zur Souveränität in Teilen des Entwurfs gibt, aber sie bezweifelt, ob Navarrete wirklich bereit ist, die umfassenderen Ziele Brüssels zu übernehmen. Abgesehen von all diesen technischen Argumenten brodelt darunter etwas Größeres: grundlegende Fragen darüber, wie viel Kontrolle die Europäer über ihre Wirtschaft haben werden, die Risiken für die persönliche Datenprivatsphäre und letztlich, wie „öffentliches Geld“ in unserer zunehmend digitalisierten Welt aussehen sollte. Vorerst.

Diese große Vision, eine authentisch europäische Alternative zu Visa oder Mastercard zu schaffen, bleibt im parlamentarischen Stillstand gefangen, ohne dass ein klares Endziel in Sicht ist.

Geschrieben von Freya Stensrud

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