Indien und Kanada einigen sich auf Uran-Abkommen zur Neuausrichtung angespannter Beziehungen

Modi und Carney wollen bis Jahresende eine umfassendere Wirtschaftspartnerschaft nach Jahren diplomatischer Spannungen abschließen

Indien und Kanada haben sich auf ein langfristiges Uranlieferabkommen geeinigt und zugesagt, bis Ende des Jahres eine umfassendere Wirtschaftspartnerschaft abzuschließen. Dies ist ein bedeutender Schritt zur Reparatur der seit fast drei Jahren angespannten Beziehungen.

Nach Gesprächen in Neu-Delhi erklärte der kanadische Premierminister Mark Carney, er und der indische Premierminister Narendra Modi hätten sich verpflichtet, vor Jahresende ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen abzuschließen.

Die Abkommen signalisieren den Versuch beider Regierungen, die Beziehungen neu auszurichten, die sich 2023 stark verschlechterten, als der damalige Premierminister Justin Trudeau von „glaubwürdigen Anschuldigungen“ sprach, die Indien mit der Tötung eines Sikh-Separatistenführers auf kanadischem Boden in Verbindung brachten. Die Anschuldigung führte zu diplomatischen Ausweisungen und einem lang anhaltenden Stillstand hochrangiger Kontakte.

Unter Carneys Führung hat Ottawa versucht, die wirtschaftliche und strategische Zusammenarbeit mit Neu-Delhi wiederaufzubauen, insbesondere da Kanada mit Zolldruck von seinem größten Handelspartner, den Vereinigten Staaten, konfrontiert ist.

Das Uranlieferabkommen wird als besonders bedeutsam angesehen. Indien setzt auf Kernenergie als Teil seiner langfristigen Strategie zur Diversifizierung seines Energiemixes und zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Sicherstellung stabiler Uranimporte soll seine Energiesicherheit in Zeiten geopolitischer Unsicherheit stärken.

Über die nukleare Zusammenarbeit hinaus kündigten die beiden Staats- und Regierungschefs Pläne an, die Zusammenarbeit in den Bereichen kritische Mineralien, saubere Energie, Raumfahrttechnologie und Hochschulbildung zu vertiefen. Beamte sagten, diese Sektoren seien als Bereiche von gemeinsamem strategischem Interesse identifiziert worden, mit Potenzial für gemeinsame Forschung, Investitionen und industrielle Entwicklung.

Analysten beschreiben die Ankündigungen als pragmatische Neuausrichtung statt einer vollständigen Versöhnung. Obwohl die politischen Spannungen nicht verschwunden sind, scheinen beide Seiten darauf bedacht zu sein, Handel und langfristiges Wirtschaftswachstum zu priorisieren.

Für Indien könnten engere Beziehungen zu Kanada den Zugang zu kritischen Ressourcen und fortschrittlichen Technologien sichern. Für Kanada bietet die Zusammenarbeit mit einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt eine Gelegenheit zur Diversifizierung der Handelsbeziehungen inmitten sich wandelnder globaler Lieferketten.

Ob die Dynamik anhält, wird vom Fortschritt bei der Aushandlung des umfassenderen Wirtschaftspartnerschaftsabkommens abhängen. Doch nach Jahren diplomatischer Kälte signalisieren die beiden Regierungen, dass wirtschaftlicher Pragmatismus wieder Vorrang vor Konfrontation hat.

Verfasst von Andreas Hofer

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