Facebook blockiert regierungsnahe ungarische Nachrichtenseiten Wochen vor der Wahl

Medienverband nennt Schritt Angriff auf die Pressefreiheit, während Meta angibt, Beschränkungen seien „irrtümlich“ verhängt worden

Facebook hat die Seiten von drei ungarischen Nachrichtenportalen, die als Unterstützer von Ministerpräsident Viktor Orbán gelten, nur wenige Wochen vor den Parlamentswahlen des Landes gesperrt.

Die Seiten von Bama.hu, Szabolcs Online und Kisalföld.hu wurden am Freitag unzugänglich gemacht, wobei die Plattform Verstöße gegen ihre Gemeinschaftsstandards anführte. Die Sender, alle Teil der Mediaworks Hungary Gruppe, gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die als ungerechtfertigt bezeichnete Entscheidung verurteilten und ankündigten, gegen das Verbot Berufung einzulegen.

Der Zeitpunkt hat eine politische Kontroverse ausgelöst. Ungarn wird Anfang April Parlamentswahlen abhalten, bei denen Orbáns regierende Fidesz-Partei zunehmendem Druck von der pro-EU-Opposition Tisza-Partei ausgesetzt ist.

Der Ungarische Nationale Medienverband verurteilte den Schritt als Angriff auf die Pressefreiheit und argumentierte, dass Verweise auf die Nichteinhaltung der Meta-Gemeinschaftsprinzipien vage und auslegungsbedürftig seien. In einer Erklärung schlug der Verband vor, dass das Technologieunternehmen „rechtsgerichtete Nachrichtenportale bestrafen“ könnte, weil sie Warnungen vor dem Risiko einer Kriegseskalation in Europa veröffentlichten.

Ungarn hat sich häufig mit Brüssel über die EU-Politik zu Ukraine und Russland gestritten. Orbán gehörte zu den lautstärksten Kritikern des Blocks, was eine tiefere EU-Beteiligung am Krieg angeht, und argumentierte, dass ein solches Engagement eine gefährliche Eskalation riskiere.

Später am Freitag teilte Meta dem ungarischen Nachrichtenportal Telex mit, dass die Seiten „irrtümlich eingeschränkt“ worden seien und der Zugang wiederhergestellt wurde. Am Samstagabend blieben jedoch zwei der drei betroffenen Seiten weiterhin unerreichbar.

Orbán hat der Europäischen Union zuvor vorgeworfen, seine Regierung untergraben und die ungarischen Wahlen beeinflussen zu wollen. Er hat auch eine Koordination zwischen Brüssel und Kiew unterstellt, die darauf abzielt, seine Führung zu schwächen.

Die Episode spiegelt breitere Spannungen in ganz Europa wider, bezüglich der Moderation sozialer Medien und der Wahlrechtsintegrität. Ähnliche Vorwürfe ausländischer Einmischung tauchten bei den rumänischen Präsidentschaftswahlen 2024 auf, wo das Verfassungsgericht das Ergebnis der ersten Runde nach Geheimdienstberichten über externe Einmischung annullierte.

Angesichts der bevorstehenden ungarischen Wahl wird der Streit zwischen Meta und regierungsnahen Medien die Debatte über die Rolle digitaler Plattformen bei der Gestaltung des politischen Diskurses – und darüber, wo die Grenze zwischen Inhaltsmoderation und politischer Intervention verläuft – voraussichtlich intensivieren.

© The Alpine Weekly Newspaper Limited 2026