
Der Preis der Loyalität: FIFAs finanzieller Einfluss und Infantinos verzweifelte Kampagne
Während Gianni Infantinos Einfluss auf den Weltfußball schwindet, legen Anschuldigungen wegen vorenthaltenen Preisgeldes die grobe politische Maschinerie in Zürich offen.

Globale Sportbürokratien agieren oft mit der finanziellen Opazität eines Hedgefonds und der politischen Anmut eines mittelalterlichen Hofes. Die FIFA, die bequem auf Milliardenreserven sitzt, demonstriert derzeit beide Eigenschaften auf spektakuläre Weise. Gianni Infantino, der umstrittene Präsident der Organisation, sieht sich einer wachsenden Revolte aus den eigenen Reihen gegenüber, und die jüngsten Anschuldigungen deuten darauf hin, dass seine Administration zu grobem finanziellem Druck greift, um Loyalität vor einer entscheidenden Wahl zu sichern.
Der jordanische Fußballverband wartet immer noch auf eine Auszahlung von 4,2 Millionen US-Dollar. Diese Summe wurde rechtmäßig verdient, nachdem die Nationalmannschaft im vergangenen Dezember das Finale des FIFA Arab Cups in Katar erreicht hatte und schließlich gegen Marokko verlor. Doch laut Prinz Ali bin Al Hussein, dem ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten und aktuellen Chef des jordanischen Verbandes, bleibt der Scheck verdächtig aus. Die Erklärung des Prinzen ist deutlich: Er behauptet, die Gelder würden von Zürich als Geisel gehalten, um eine politische Unterstützung für Infantinos Wiederwahlkampagne zu erpressen.
Während der Weltmeisterschaft im Juni, bei der Jordanien sein Turnierdebüt gab, wurde Prinz Ali Berichten zufolge mitgeteilt, dass die Unterstützung des amtierenden Präsidenten die Überweisung des überfälligen Preisgeldes auf wundersame Weise beschleunigen würde. Der Chef des jordanischen Verbandes wies diesen Vorschlag öffentlich zurück und bezeichnete das Manöver als unverhohlene Erpressung. Er kontrastierte scharf die prahlerische Rhetorik der FIFA bezüglich ihrer massiven Finanzreserven mit ihrer Weigerung, rechtmäßig gewonnene Gelder an einen Mitgliedsverband freizugeben. Nachdem er bereits 2016 gegen Infantino im Präsidentschaftsrennen angetreten war, hat Prinz Ali deutlich gemacht, dass Jordanien einem solchen administrativen Druck nicht nachgeben wird.
Diese finanzielle Pattsituation ist lediglich ein Symptom einer umfassenderen Krise, die die FIFA-Führung erfasst. Infantinos elfjährige Amtszeit wirkt nach dem spektakulären Zusammenbruch seines Private-Equity-Plans bemerkenswert fragil. Der Präsident hatte versucht, einen Anteil an zukünftigen Weltcup-Gewinnen an eine Investorengruppe unter der Leitung von Joshua Kushner zu verkaufen. Die geheime Natur dieses Plans, die erst vor einer Woche enthüllt wurde, hat globale Fußballfunktionäre entfremdet und eine heftige Gegenreaktion von Mitgliedsländern ausgelöst, die den Dachverband als zunehmend unantastbar betrachten.
Der europäische Fußballverband UEFA sucht bereits aktiv nach einem geeigneten Herausforderer, um den schweizerisch-italienischen Administrator abzulösen. Zeit ist ein entscheidender Faktor, denn die Frist für die Kandidatenerklärungen ist auf den 18. November festgelegt. Die endgültige Abrechnung findet am 18. März in Rabat statt, wo die 211 Mitgliedsverbände ihre Stimmen abgeben werden. Sollten die aus Amman stammenden Vorwürfe ein Indikator für die aktuelle Stimmung sein, könnte Infantino bald feststellen, dass das Zurückhalten von Preisgeldern eine äußerst ineffektive Strategie ist, um Freunde zu gewinnen und Wähler zu beeinflussen.
Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com




