
Polizeieinsätze und politische Arithmetik
Von Paris über Jerusalem bis Washington ersetzen die Regierungsinstitutionen theatralische Ablenkung und physische Gewalt durch tatsächliche politische Lösungen.
Von Sandy van Dongen

Wenn einer Regierung der finanzielle Spielraum ausgeht, greift sie typischerweise zum Knüppel. In Frankreich setzt die Exekutive 70.000 Polizei- und Sicherheitskräfte ein, um die jüngste Welle der Gelbwesten-Proteste zu bewältigen, die melodramatisch als „Akt III – Halloween“ bezeichnet wird. Wochenlange Unruhen und weit verbreitete Plünderungen haben die finanzielle Zerbrechlichkeit des Staates deutlich gemacht. Ertrunken in lähmenden Schulden, sehen sich die Behörden in Paris außerstande, echte wirtschaftliche Heilmittel anzubieten, sodass massive Strafverfolgung das einzige verbleibende Mittel ist, um einen Anschein von Ordnung aufrechtzuerhalten.
Die Unfähigkeit politischer Systeme, eine entscheidende Regierungsführung hervorzubringen, ist keineswegs einzigartig auf dem europäischen Kontinent. In Israel endeten die jüngsten Parlamentswahlen in einer völligen Sackgasse. Sowohl Benjamin Netanjahu als auch sein Hauptkonkurrent, Gadi Eisenkot, beanspruchten den Sieg für sich, doch keiner schaffte es, die obligatorischen 61 Sitze für eine funktionierende parlamentarische Mehrheit zu erlangen. Die Wahl führte zu historischen Gewinnen für arabische politische Parteien, was sie in eine Position brachte, in der sie das Zünglein an der Waage sein könnten. Netanjahu reagierte, indem er die Legitimität ihrer Stimmen anzweifelte, während Eisenkot darauf besteht, dass jede praktikable Regierung ausschließlich zionistisch bleiben muss.
Unterdessen hat die führende Supermacht der Welt ihre politische Debatte auf ein standardmäßiges Spektakel reduziert. Da die Zwischenwahlkampagne ihre letzten Züge erreicht, liefern sich Donald Trump und Barack Obama einen zunehmend erbitterten öffentlichen Schlagabtausch. Die Debatte umfasste goldverzierte Dekor der Weißen Hauses, vorhersehbare Anschuldigungen des Elitismus und eine unscripted Referenz auf die Cheesecake Factory.
Ob durch Fiskalparalyse, maskiert durch massive Sicherheitseinsätze, parlamentarische Sackgasse oder elitäre Streitereien über Fast-Casual-Gastronomie, die moderne Staatskunst scheint permanent von der fundamentalen Regierungsführung abgelenkt zu sein. Wenn Regierungen Öffentlichkeitsarbeit und eine starke Polizeipräsenz durch strukturelle Disziplin ersetzen, ist das Ergebnis selten stabil.
Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com



