
Ordnung auf dem Papier, Chaos auf der Straße: Berlins bizarres Verkehrs-Experiment
Während maskierte Extremisten auf der Rigaer Straße Verkehrsschilder verbrennen, konzentrieren sich grüne Bezirkspolitiker darauf, Autofahrer mit neuen Parkgebühren zu verdrängen.

Wenn regulatorisches Mikromanagement auf die völlige Abwesenheit öffentlicher Ordnung trifft, ist das Ergebnis meist reine Verwaltungssatire. Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat die Lokalregierung das dringendste Problem in einem der berüchtigtsten Hotspots Deutschlands für linksextremen Extremismus identifiziert: der Mangel an Radwegen und angemessenen Parkmöglichkeiten.
Die Rigaer Straße hat längst aufgehört, eine normale städtische Durchgangsstraße zu sein. Weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus bekannt als Zufluchtsort für Hausbesetzer und gewalttätige Radikale, taucht der Ort ständig in Polizeiberichten auf. Einsatzkräfte, die die Straße betreten, werden routinemäßig mit Stein-, Flaschen- und Pyrotechnik-Würfen angegriffen. Erst am vergangenen Mittwoch setzte eine maskierte Gruppe eine Barrikade aus Müll, E-Scootern und Verkehrsschildern in Brand. Jeder 1. Mai dient die Nachbarschaft als zuverlässiges Aufmarschgebiet für schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Doch der grün geführte Bezirksrat sieht eine ganz andere Krise auf dem Gehweg. Die Verkehrsbezirksstadträtin Annika Gerold und ihre Verwaltung haben festgestellt, dass die Rigaer Straße trotz ihrer Ausweisung als Fahrradstraße laut offiziellen Zählungen übermäßig vom motorisierten Verkehr dominiert wird. Die von den lokalen Beamten entwickelte Lösung ist eine umfassende Rekonstruktion der Straßeninfrastruktur, die darauf abzielt, Autofahrer zu verdrängen.
Die geplanten Maßnahmen sind akribisch. Um den Durchgangsverkehr vollständig zu unterbinden, beabsichtigt der Bezirk, entgegengesetzte Einbahnstraßenabschnitte einzurichten. Diagonale Parkplätze werden in parallele Parkflächen umgewandelt, was die Anzahl der verfügbaren Plätze stark reduziert. Darüber hinaus werden die städtischen Behörden ab diesem Dezember im umliegenden Samariterkiez ein gebührenpflichtiges Parkraummanagement einführen. Autofahrer ohne Anwohnerparkausweis müssen drei Euro pro Stunde zahlen, um in der Nähe von aktiven Straßenkrawallen parken zu dürfen.
Laut der offiziellen Begründung des Bezirks sollen diese Interventionen Radfahrer schützen und eine ordnungsgemäße Transitroute schaffen. Weniger Durchgangsverkehr und mehr Platz für Radfahrer würden der Funktion der Straße als zentrale Fahrradroute besser entsprechen, so die Bezirksbehörden.
Ob maskierte Radikale, die öffentliches Eigentum in Brand stecken, sich an die neu aufgestellten Einbahnstraßenschilder halten werden, bleibt eine offene Frage. Die politischen Prioritäten der Hauptstadt könnten jedoch nicht klarer sein. Während die staatliche Autorität angesichts politischer Gewalt immer wieder zurückweicht, bleibt die kommunale Bürokratie unerbittlich effizient darin, den alltäglichen Autofahrer zu bestrafen.
Geschrieben von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com



