
Milliardäre oben, Pendler unten: Wie Andermatt sein Wohnproblem exportiert
Angesichts steigender Mieten in Uri füllt der Resortbetreiber Andermatt Swiss Alps leerstehende Militär- und Eisenbahnwohnungen im Tessin.
Von Martina Kirchner

Luxus in grosser Höhe hat die Eigenart, seine eigene Logistik preislich zu verdrängen. In Andermatt, wo Immobilienentwicklungen, unterstützt vom ägyptischen Investor Samih Sawiris, ein ruhiges Bergtal in eine Enklave für Wohlhabende verwandelt haben, kann sich das Personal, das die Hotelmaschinerie am Laufen hält, das Wohnen am Arbeitsort nicht mehr leisten. Kapitalistischer Erfolg führt unweigerlich zu operativen Engpässen. Der Markt lässt jedoch selten eine Chance lange ungenutzt, selbst wenn die Lösung erfordert, Arbeiter täglich durch einen Berg zu befördern.
Statt margenschwache Personalunterkünfte in Uri zu bauen – wo die Grundstückswerte den internationalen Glamour widerspiegeln –, hat Andermatt Swiss Alps seinen Blick südlich des Gotthards gerichtet. Nur dreissig Minuten entfernt liegt Airolo, eine ruhige Tessiner Gemeinde im Leventinatal, die lange unter leerstehenden Wohnungen und demografischer Stagnation litt. Der Resortentwickler hat bereits 29 Wohnungen und Zimmer erworben, um seine saisonalen Arbeitskräfte unterzubringen, und erwartet, dass sechzig bis siebzig Mitarbeiter ab nächstem Jahr jenseits der Kantonsgrenze sesshaft werden.
Die Wahl der Immobilien birgt einen Hauch historischer Ironie. Unter den für modernes Hotel- und Servicepersonal ausgewählten Gebäuden befinden sich ehemalige Unterkünfte für Festungswächter und Lokführer der Schweizerischen Bundesbahnen. Diese Strukturen, die dem Staatschutz und der öffentlichen Infrastruktur dienten, beherbergen nun private Resortarbeiter. Hans Bandi, Qualitätsmanager bei Andermatt Swiss Alps, wies über den Sender RSI darauf hin, dass die steigenden Kosten in Andermatt lokalen Wohnraum zunehmend unerschwinglich machten und eine kantonübergreifende Umsiedlung die primäre praktische Alternative sei.
Für Airolo ist dieses Manöver des Privatsektors ein willkommener wirtschaftlicher Segen. Bürgermeister Oscar Wolfisberg begrüsste die Renovierung und Vermietung lange leerstehender Immobilien und stellte fest, dass die Vereinbarung bereits zu einem Bevölkerungszuwachs von fünf Prozent in diesem Jahr beigetragen hat. Doch die letztendliche Umsetzbarkeit dieser Vereinbarung hängt davon ab, ob der regionale öffentliche Verkehr sich an die chaotischen Fahrpläne der Dienstleistungsbranche anpassen kann. Während ein dreissigminiger Arbeitsweg für normale Tagesschichten gut funktioniert, stossen Arbeitnehmer, die früh morgens beginnen oder spät abends enden, immer noch auf Lücken im Fahrplan.
Ob dieser Zustrom zu einer nachhaltigen regionalen Entwicklung führt oder nur ein praktisches Auffangbecken für temporäre Arbeitskräfte bleibt, hängt davon ab, ob Airolo mehr als nur günstige Schlafzimmer bieten kann. Der Gotthard wurde lange als kulturelle und physische Barriere zwischen den Kantonen betrachtet. In der kalten Rechnung des modernen Resortmanagements ist er jedoch lediglich ein dreissigminütiger Arbeitsweg, der diejenigen trennt, die das Resort geniessen, von jenen, die es am Laufen halten.
Verfasst von Martina Kirchner
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