
Juristische Revierkämpfe im Imperium des Fußballs
Die UEFA wendet sich an amerikanische Gerichte, um einen Schweizer Strafprozess gegen Gianni Infantino zu untermauern

Wenn internationale Sportverbände beginnen, ausländische Gerichtsbarkeiten gegeneinander zu instrumentalisieren, geht es selten um einen plötzlichen Eifer für gute Regierungsführung. Vielmehr offenbart es die Reibung konkurrierender institutioneller Lehen. Der europäische Fußballverband UEFA hat sich an ein amerikanisches Bundesgericht gewandt, um juristische Munition gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino zu sammeln. Ziel ist eine mögliche strafrechtliche Verfolgung in der Schweiz, die auf Vorwürfen von Unternehmens-Schattenboxen beruht, die selbst einen Unternehmensräuber erröten lassen würden.
Im Kern des Manövers liegt ein in Florida eingereichter Ex-parte-Antrag, der zwei lokale FIFA-Entitäten ins Visier nimmt: FIFA (AMERICAS), Inc. und FWC2026 US, Inc. Die UEFA fordert Dokumente und Zeugenaussagen bezüglich eines inzwischen eingestellten Projekts namens FIFA Forward Enterprise. Im Rahmen dieser vorgeschlagenen Tochtergesellschaft soll die FIFA angeblich geplant haben, die lukrativen kommerziellen Rechte für die Männer-, Frauen- und Klub-Weltmeisterschaften auszugliedern und zu übertragen. Der zugrunde liegende Vorwurf, den die UEFA gemäß Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches den Schweizer Staatsanwälten vorlegen möchte, ist die kriminelle Misswirtschaft.
Die von Nyon vorgebrachte Darstellung ist einfach genug. Infantino soll zusammen mit einem ausgewählten Kreis von Beratern und Finanziers die milliardenschwere Umstrukturierung in absoluter Geheimhaltung ausgeheckt haben. Der erweiterte FIFA-Rat, die regionalen Konföderationen und die nationalen Verbände blieben völlig im Dunkeln, während die kommerziellen Kronjuwelen stillschweigend neu positioniert wurden. Die UEFA behauptet, dass die Florida-Entitäten entscheidende Beweise dafür besitzen, wie das Projekt konzipiert, bewertet und letztendlich hinter verschlossenen Türen genehmigt wurde.
Dass das Schweizer Strafrecht zum gewählten Instrument dieses Machtkampfes werden sollte, ist eine feine Ironie. Die Schweiz hat internationalen Sportbürokratien seit langem ein komfortables, reibungsarmes Zuhause geboten, das sich auf einen sauberen Rechtsrahmen und eine höfliche Distanz zu groben Eingriffen stützt. Doch wenn interne Rivalitäten überkochen, wird selbst die beschaulichste Rechtsordnung zum Schlachtfeld. Die Nutzung amerikanischer Vorverfahrensmechanismen zur Beweismittelsammlung für Schweizer Staatsanwälte zeigt, wie weit europäische Fußballfunktionäre gehen wollen, um Infantinos Flügel zu stutzen.
Ob der Florida-Antrag verwertbare Beweise liefert oder lediglich einen teuren politischen Krieg verlängert, bleibt eine offene Frage. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Führung des globalen Fußballs weiterhin einem geschlossenen Kartell gleicht, dessen Mitglieder Transparenz nur dann fordern, wenn sie als Knüppel dient, um einen Rivalen zu schlagen.
Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com
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