Unternehmerische Ambitionen treffen auf bürokratische Revolte: Der Kampf um die Zukunft der FIFA

Gianni Infantinos gescheiterter Plan, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen, kostete ihn institutionelle Unterstützung, sicherte ihm aber die Rückendeckung eines amerikanischen Politikersprosses.

Corporate Ambition Meets Bureaucratic Revolt: The Fight for FIFA’s Future

Das globale Fußball-Establishment war noch nie besonders daran interessiert, Macht, geschweige denn Einnahmen zu teilen. Als FIFA-Präsident Gianni Infantino die Idee vorschlug, einen Teil der kommerziellen Rechte der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, war die bürokratische Empörung schnell und heftig.

Infantinos gescheitertes Vorhaben konzentrierte sich auf ein neues Unternehmensvehikel, das als FIFA Forward Enterprise bezeichnet wurde. Der Vorschlag sah vor, eine zwanzigprozentige Beteiligung an der kommerziellen und operativen Verwaltung der Weltmeisterschaft und anderer großer Turniere abzugeben. Zu den potenziellen Käufern gehörte Joshua Kushner, ein prominenter Investor, dessen Konsortium kürzlich die Los Angeles Lakers erwerben wollte. Aus rein finanzieller Sicht ist die Nutzung von Privatkapital zur Maximierung des ungenutzten kommerziellen Potenzials eines Turniers gängige Praxis im modernen Sport. Dennoch löste der Plan einen sofortigen Aufstand unter den regionalen Fußballmachern aus, was Infantino zwang, die Initiative Ende Juli aufzugeben.

Der Rückzug von der Privatisierung hat den FIFA-Präsidenten nicht vor den institutionellen Folgen bewahrt. Eine gewaltige Koalition regionaler Konföderationen – darunter die europäische UEFA, die nordamerikanische CONCACAF und die Asian Football Confederation – hat daraufhin signalisiert, Infantino bei seiner bevorstehenden Wiederwahl nicht zu unterstützen. Hinzu kommen die nationalen Verbände Englands, Wales', der Republik Irland und Neuseelands. Für diese etablierten Organisationen stellte die Aussicht, die Kontrolle an Private Equity abzugeben, eine unerträgliche Bedrohung für ihren eigenen Einfluss auf das lukrativste Gut des Sports dar.

In diesen administrativen Machtkampf tritt ein unerwarteter Verteidiger: Andrew Giuliani, der ehemalige Geschäftsführer der White House Task Force für die kürzlich abgeschlossene Weltmeisterschaft. Anstatt Infantinos kommerzielle Ambitionen als Fehltritt zu betrachten, hat Giuliani den institutionellen Widerstand als bloße Eifersucht abgetan, die sich als gerechte Empörung tarnt. Im Gespräch mit der Sportpresse zog der Sohn des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Parallelen zwischen der Opposition, der Infantino ausgesetzt ist, und der politischen Zielscheibe des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Laut Giuliani ist die unaufhörliche Kommerzialisierung des globalen Sports eine unumgängliche Realität, und Infantino sollte an seinem umfassenderen Erfolg bei der Steigerung der finanziellen Lage der FIFA gemessen werden und nicht an einem einzelnen aufgegebenen Vorschlag. Die aktuelle Pattsituation verdeutlicht eine ideologische Kluft im Herzen des globalen Fußballs. Auf der einen Seite sitzt eine administrative alte Garde, die ihr traditionelles Monopol vehement schützt; auf der anderen eine wachsende Fraktion, die bereit ist, den beliebtesten Sport der Welt als konventionelles, hochprofitables Unternehmensgut zu behandeln, das durch privates Kapital maximiert werden soll.

Geschrieben von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com