
Flugambulanz und Papierschranken
Während Ostafrika mit Quarantäneauflagen zu kämpfen hat, verlassen sich westliche Hauptstädte auf Elite-Evakuierungen, um sich von der Ebola-Krise abzuschirmen.
Von Andreas Hofer

Wenn sich eine Seuche in Zentralafrika ausbreitet, folgt die Arbeitsteilung zwischen regionalen Regierungen und wohlhabenden westlichen Hauptstädten einem vorhersehbaren Drehbuch. Lokale Behörden versuchen, poröse Grenzen mit harschen staatlichen Vorschriften zu kontrollieren, während europäische Nationen einfach private Flugambulanzdienste organisieren, um ihre eigenen Bürger zu evakuieren, wenn die Eindämmung scheitert.
Der jüngste Fall ereignete sich am Montag, als eine 42-jährige Schweizer Bürgerin – die Ehefrau eines Botschaftsmitarbeiters in Abuja – zur speziellen Ebola-Behandlung von Nigeria in die Schweiz geflogen wurde. Ihre Infektion entlarvt die Illusion offizieller Gesundheitsgarantien. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation Uganda Ende August offiziell für virenfrei erklärt hatte, gehen Schweizer Diplomaten davon aus, dass die Frau den Erreger dort vor ihrer Weiterreise über den Flughafen Entebbe aufgenommen hat. Nun müssen die nigerianischen Gesundheitsbehörden über sechzig Kontakte in Haushalten und medizinischen Einrichtungen in Abuja zurückverfolgen, während der Ehemann der Patientin in Isolation bleibt.
Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung hat Kampala seine administrative Durchsetzungsmaschinerie reaktiviert. Rückkehrende ugandische Bürger aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo müssen nun eine obligatorische einundzwanzigtägige Quarantäne auf eigene Kosten durchlaufen, während nicht-essenzielle kongolesische Reisende systematisch an der Grenze abgewiesen werden. In einer Erklärung vom Sonntag gab das ugandische Gesundheitsministerium zu, dass das Ende der lokalen Übertragung nicht bedeutet, dass das Risiko beendet ist.
Doch diese administrativen Hürden ändern wenig an der harten Realität jenseits der Grenze. Der in der DRK ausgebrochene Virus hat sich zum tödlichsten in der Geschichte des Landes entwickelt, mit über 9.800 Fällen und mehr als 4.700 Todesfällen. Allein im Epizentrum der Provinz Ituri, wo über dreitausend Menschen gestorben sind, hat Gewalt gegen medizinisches Personal die Eindämmungsbemühungen massiv behindert, gipfelnd in der jüngsten Tötung einer Krankenschwester und der Verletzung eines weiteren Gesundheitsmitarbeiters.
Für Europa bleibt die Strategie eine der vorsichtigen Isolation und gezielten Evakuierung. Seit Mai wurden infizierte Arbeiter medizinisch nach Deutschland und in die Niederlande evakuiert, nach einer ähnlichen Verlegung eines potenziell exponierten Arbeiters in das Vereinigte Königreich im Juli. Während ostafrikanische Nationen darum kämpfen, Quarantäneregelungen zu finanzieren und abgelegene Grenzübergänge zu sichern, verlassen sich westliche Hauptstädte auf große finanzielle Mittel und spezialisierte Transporte, um sich von einer eskalierenden regionalen Katastrophe abzuschirmen.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com




