Wenn der Staat die Spielkonsole entdeckt

Frank-Walter Steinmeiers Antrittsbesuch auf der Gamescom verlagerte sich schnell von der Feier des Markterfolgs zur Forderung nach regulatorischen Grenzen für digitale Äußerungen.

When the State Discovers the Game Console

Köln erlebte eine kuriose politische Premiere. Frank-Walter Steinmeier war der erste deutsche Bundespräsident, der die Gamescom besuchte, die weltweit größte Veranstaltung für Computer- und Videospiele. Konfrontiert mit einer Branche, die mehr als 350.000 Besucher erwartete und einen neuen Ausstellerrekord aufstellte, konnte das Schloss Bellevue die Zahlen nicht länger ignorieren. Über 40 Millionen Menschen in Deutschland spielen Spiele, eine Realität, die Steinmeier zwang zuzugeben, dass das überholte Klischee des isolierten Teenagers, der in einem abgedunkelten Raum hockt, nicht mehr dem wirklichen Leben entspricht.

Doch die präsidiale Anerkennung eines florierenden Marktes war lediglich der Prolog zum bekannten Impuls der staatlichen Aufsicht. Bei der Eröffnung des Gamescom Congress, einer Veranstaltung mit Podiumsdiskussionen über die Rolle des Gamings in demokratischen Gesellschaften, änderte der Präsident schnell seinen Ton. Er warnte das Publikum vor roher Gewalt, Sexismus, Rassismus und menschenverachtendem Denken, die hinter digitalen Avataren lauern, sowie vor der Gefahr der Spielsucht.

Anstatt reifen Konsumenten zu vertrauen, ihre eigene Unterhaltung selbst zu regeln, forderte Steinmeier klare Regeln, um die Verbreitung extremistischen und antidemokratischen Materials in Videospielen einzudämmen. Da Spiele kulturelles Gewicht tragen, so argumentierte er, sei ihr Einfluss auf den demokratischen Diskurs unvermeidlich, im Guten wie im Schlechten. Der politische Impuls, zu definieren, was als akzeptabler Gedanke gilt, scheint sich mühelos von öffentlichen Plätzen auf virtuelle Umgebungen auszudehnen.

Steinmeier bot der Gaming-Community einen kurzen versöhnlichen Gruß, indem er auf vergangene politische Fehltritte einging. Er räumte ein, dass die frühere parlamentarische Hysterie um sogenannte Killerspiele übertrieben war, und merkte an, dass Gamer jedes Recht hatten, verärgert zu sein, wenn ihr Hobby pauschal verteufelt wurde. Doch während die alte moralische Panik vor virtueller Gewalt stillschweigend aufgegeben wird, wird sie umgehend durch ein neues politisches Ziel ersetzt: die Ideologie innerhalb interaktiver Medien zu regieren.

Während die Fachmesse in Köln immense wirtschaftliche Vitalität und kulturelle Reichweite zeigt, illustriert der Präsidentenbesuch ein breiteres Muster. Wenn eine Privatindustrie die Aufmerksamkeit von zig Millionen Menschen auf sich zieht, steht der Staat selten als passiver Beobachter daneben. Stattdessen kommt er mit warnendem Zeigefinger und der Forderung nach regulativen Leitplanken.

Geschrieben von Freya Stensrud

freya.stensrud@alpineweekly.com