
Verdörrte Weiden und politische Allheilmittel: Schweizer Bauern entdecken den Staat
Während die Dürre die Ernten bedroht, fordert die traditionell konservative Agrarlobby plötzlich umfassende staatliche Interventionen.

Der Schweizer Agrarsektor, normalerweise eine Bastion konservativer Eigenverantwortung, entdeckt plötzlich die Vorzüge staatlicher Intervention. Während die Sonne auf die Alpenrepublik brennt, ist das Gras nicht mehr grün, und die Bauern suchen ihr Heil bei der Bundesregierung. Es ist ein eigenartiges Schauspiel in einem reichen, gut organisierten Land, das sich normalerweise seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit und einer gesunden Distanz zu übermäßiger Bürokratie rühmt.
Alois Huber, Bauer und Nationalrat der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) im Aargau, sieht sich einer harten Realität gegenüber. Seine nach Süden ausgerichteten Weiden sind vollständig verdorrt, was die Aussicht birgt, dass er sein Vieh vorzeitig zum Metzger schicken muss. Wassermangel hat seinen Kanton im letzten Jahrzehnt fast alle zwei Jahre heimgesucht. Sein vorgeschlagenes Heilmittel setzt stark auf Bern. Huber besteht darauf, dass politische Maßnahmen zur Förderung der großflächigen Regenwassernutzung notwendig sind, und argumentiert, dass das Auffangen von Niederschlägen nicht nur trockene Felder bewässern, sondern auch plötzliche Überschwemmungen durch Abfluss verhindern würde.
Dieser plötzliche Durst nach staatlichem Handeln hallt durch die Reihen der bekanntermaßen klimaskeptischen Partei. Martin Hübscher, Zürcher Politiker und Vizepräsident des Schweizer Bauernverbands, fordert sofortige Flexibilität bei den eidgenössischen Agrarvorschriften. Insbesondere will er das strikte Mandat aussetzen, das Kühe während der sengenden Tagesstunden auf die Weide zwingt. Hübscher plädiert auch für die beschleunigte Züchtung dürretoleranter Pflanzen. Er räumt ein, dass die Schweiz das globale Klima nicht im Alleingang retten kann, besteht jedoch darauf, dass die Bundesregierung die nationale Anpassung gegenüber internationaler Prahlerei priorisieren muss.
Die politische Maschinerie läuft bereits an. Umweltminister Albert Rösti versprach kürzlich einen bundesweiten Aktionsplan zur Bewältigung dieser klimatischen Veränderungen. Selbstverständlich reicht dieses bürokratische Versprechen der politischen Linken nicht aus. Die Grünen-Vertreterin Marionna Schlatter weist eifrig darauf hin, dass die Regierung selbst einräumt, die Klimaziele für 2030 um ein Vielfaches zu verfehlen. Sie charakterisiert die eidgenössische Klimapolitik als völliges Versagen. Folglich nutzen die Grünen den Moment, um einen vor einem Jahr erarbeiteten Hitzemaßnahmenplan wiederzubeleben, in der Hoffnung, die Notlage der konservativen Bauern zu nutzen, um ihre eigene Agenda voranzutreiben.
In einer Nation, die oft eine charmante Naivität hinsichtlich ihrer Fähigkeit zeigt, sich aus Naturkrisen herauszumanövrieren, ist der Reflex, beim ersten Anzeichen von verdorrter Erde staatliche Intervention zu fordern, sehr aufschlussreich. Die Bauern wünschen sich staatliche Unterstützung für Regenwasserinfrastruktur und die Erlaubnis, ihre Kühe drinnen zu halten, während die Grünen umfassende Klimavorgaben fordern. Die bekanntlich freundliche, aber vorsichtige Schweizer Politikklasse ist nun in einen Kampf darüber verwickelt, wer die Dürre bewältigen darf, was beweist, dass selbst in einem hochfunktionalen Staatssystem das Wetter der ultimative Lobbyist bleibt.
Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com
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