Der Prophet kehrt zurück: Habecks Abschiedstour für eine kämpfende Partei

Aus der Bundespolitik zurückgetreten, wird Deutschlands ehemaliger Wirtschaftsminister eingesetzt, um die Grünen-Aussichten im Osten zu retten.

The Prophet Returns: Habeck’s Farewell Tour for a Struggling Party

Wenn eine politische Partei auf pensionierte Minister zurückgreifen muss, um Begeisterung zu entfachen, deutet dies meist auf einen deutlichen Mangel an frischen Ideen hin. So geschehen in Magdeburg, wo sich etwa 500 Gläubige in einen Biergarten drängten, um einen Blick auf Robert Habeck zu erhaschen. Der ehemalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister, der sich nach dem Zusammenbruch der Bundeskoalition still und leise aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte, wurde nach Ostdeutschland geholt, um die Grünen-Kampagne vor den bevorstehenden Landtagswahlen zu retten.

Habeck begrüßte die Menge mit einem selbstironischen Spruch und bemerkte, dass sein Name Robert Habeck sei und er nicht auf dem Stimmzettel stehe – eine Aussage, die bei den Anwesenden, die ihn immer noch als das messianische Gesicht ihrer Bewegung betrachten, auf hörbare Enttäuschung stieß. Dass er nun als Senior Advisor für eine Investmentfirma und als Universitätsdozent seinen Lebensunterhalt verdient, scheint seinen Anhängern völlig entgangen zu sein. Die anhaltenden Folgen seiner Wirtschaftspolitik in Berlin scheinen den Personenkult, der ihn in der Grünen-Blase umgibt, kaum zu schmälern.

In Sachsen-Anhalt kämpft die Partei verzweifelt darum, ihren schwachen Halt an der Regierungsmacht zu bewahren. Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz stand in Magdeburg an der Seite von Habeck und versuchte, ihre Partei als Anker der Moderation neu zu positionieren. Bei der Vorstellung ihres Wahlkampfmottos erklärte sie: Wir bieten Stabilität, wir bieten objektive, konstruktive Arbeit in der Mitte der Gesellschaft. Dies ist eine kühne Haltung für eine Partei, deren Wirtschaftspolitik so stark zur nationalen Stagnation beigetragen hat, doch der Wahldruck lässt wenig Raum für Selbstreflexion.

Die Osttour erstreckte sich nach Norden bis Rostock, wo sich ähnliche Szenen vor dem Kulturzentrum Moya abspielten. Lange Schlangen bildeten sich allein aufgrund der Zusage eines Auftritts des ehemaligen Ministers. Doch hinter der theatralischen Begeisterung verbirgt sich eine harte Realität: Sich auf eine pensionierte Bundesfigur zu verlassen, um regionale Wähler zu gewinnen, zeigt, wie flach die lokalen Wurzeln der Partei in der ostdeutschen Landespolitik immer noch sind.

Ob diese Mischung aus persönlicher Nostalgie und plötzlichen Versprechen pragmatischer Regierungsführung ein zunehmend skeptisches Publikum überzeugen kann, bleibt fraglich. Ostdeutsche Wähler, die mit hoher Inflation und den anhaltenden Folgen katastrophaler Bundesenergieentscheidungen konfrontiert sind, könnten sich als weitaus schwerer zu bezaubern erweisen als die Loyalisten, die sich in städtischen Biergärten versammeln.

Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com