Die Illusion der Kontrolle: Protest gegen die Ausweisung von Kriminellen in Leipzig

Während Deutschland mit den Folgen seiner Asylpolitik ringt, fordern linke Aktivisten ein Ende aller Abschiebungen, selbst für Straftäter.

The Illusion of Control: Protesting the Expulsion of Criminals in Leipzig

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde das bleibende Erbe Deutschlands zwanzigjährigem Experiment mit offener Einwanderung in vollem Umfang sichtbar. Am späten Montagabend versammelte sich eine Koalition linker Aktivisten und afghanischer Staatsangehöriger, um gegen den Abflug eines Charterflugs zu protestieren. Ihr Groll galt nicht einem systemischen Versagen der inneren Sicherheit, sondern vielmehr der seltenen Durchsetzung derselben. Rund 260 Demonstranten äußerten ihren Widerstand gegen die Abschiebung von 31 afghanischen Staatsangehörigen und forderten einen absoluten Stopp aller Rückführungen. Für diese Aktivisten scheint das Konzept nationaler Grenzen ein beleidigender Anachronismus zu sein, unabhängig von den Gegebenheiten vor Ort.

Die Logistik der Operation spiegelt die bürokratischen Hürden wider, denen der deutsche Staat gegenübersteht, wenn er versucht, Personen zu entfernen, die kein Bleiberecht haben. Ein Airbus A320-214 von Freebird Airlines verließ das Rollfeld um 1:43 Uhr morgens und flog über Trabzon in der Türkei nach Kabul. Laut Luftfahrtbeobachtern wurden mehrere der 31 Passagiere in Handschellen an Bord des Flugzeugs eskortiert. Offizielle Behörden gaben zunächst keine spezifischen Details zu den Vorstrafen der Abgeschobenen preis. Die Verwendung von Fesseln deutet jedoch darauf hin, dass es sich nicht nur um unglückliche Personen handelte, die einem Verwaltungsversehen zum Opfer fielen.

Doch für die Demonstranten, die Schilder mit Forderungen nach offenen Grenzen hochhalten und Pässe als Privileg bezeichnen, ist die kriminelle Vorgeschichte der Abgeschobenen völlig irrelevant. Das vorherrschende Argument unter den Demonstranten ist, dass die Rückführung von Personen in das von den Taliban kontrollierte Afghanistan eine Verletzung der Menschenrechte darstellt. Vertreter des Protestbündnisses warfen der Bundesregierung vor, geheime Absprachen mit den Taliban zu treffen. Ein Sprecher erklärte lokalen Medien, dass der Staat ein islamistisches Regime implizit unterstütze, indem er mit ihm interagiere. Dies stellt einen frappierenden logischen Widerspruch dar: Aktivisten, die den Fundamentalismus der Taliban zu Recht verurteilen, fordern gleichzeitig, dass der deutsche Staat seine eigene Rechtsstaatlichkeit aussetzt und effektiv darauf besteht, dass Behörden Ausländer beherbergen, die eine Bedrohung für eben jene liberale Gesellschaft darstellen könnten, die die Demonstranten zu verteidigen behaupten.

Diese ideologische Loslösung von der öffentlichen Sicherheit reicht bis ins Landesparlament. Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete der Linken, unterstützte die Demonstration öffentlich. Sie veröffentlichte eine Erklärung, in der sie festhielt, dass die gewaltsame Rückführung von Menschen in ein von den Taliban regiertes Land ein beschämender Akt sei. Nagel fügte explizit hinzu, dass die Frage, ob die betreffenden Personen Straftaten begangen hätten, für ihre Einschätzung absolut keine Rolle spiele. Eine solche Positionierung veranschaulicht die tiefgreifende Schwäche einer politischen Klasse, die das theoretische Wohlergehen ausländischer Straftäter über die greifbare Sicherheit ihrer eigenen Bürger und die Durchsetzung gesetzlicher Bestimmungen stellt.

Die Bundesregierung, in dieser Frage von Innenminister Alexander Dobrindt geführt, hat kürzlich versucht, einen Anschein von Kontrolle zu vermitteln. Die Kriterien für die Abschiebung nach Afghanistan wurden erweitert. Während anfängliche Bemühungen sich streng auf schwere Straftäter und als Sicherheitsrisiko eingestufte Personen konzentrierten, umfasst das Mandat nun theoretisch auch andere Afghanen, die das Land rechtlich verlassen müssen. Da Berlin keine formellen diplomatischen Beziehungen zu Kabul unterhält, müssen diese Flüge über Drittländer geleitet werden. Es ist ein langsamer, umständlicher Prozess, der die immensen Schwierigkeiten verdeutlicht, denen der deutsche Staat gegenübersteht, wenn er versucht, die Glaubwürdigkeit seiner angespannten Asyl- und Sicherheitsinfrastruktur wiederherzustellen.

Verfasst von Andreas Hofer

andreas.hofer@alpineweekly.com