Hebelwirkung und Atome: Das saudische Nuklearwagnis

Die Verknüpfung eines geheimen Nuklearabkommens mit der Normalisierung der Beziehungen zu Israel schafft ein diplomatisches Dilemma in Washington und Riad.

Leverage and Atoms: The Saudi Nuclear Gamble

Wenn transaktionale Diplomatie mit den tief verwurzelten Realitäten des Nahen Ostens kollidiert, ist das Ergebnis selten eine reibungslose Transaktion. Die Trump-Regierung hat dem Kapitol offiziell ein geheimes ziviles Atomkooperationsabkommen mit Saudi-Arabien vorgelegt, womit eine gesetzlich vorgeschriebene 90-tägige Überprüfung durch den Kongress eingeleitet wurde. Doch hinter der technischen Mechanik des Abkommens verbirgt sich eine bedeutende politische Verknüpfung: Washington besteht darauf, dass Riad die Beziehungen zu Israel normalisiert, bevor das Abkommen voranschreitet.

Der Pakt, der im Rahmen von Sektion 123 des Atomenergiegesetzes ausgehandelt wurde, wurde letzten Monat vom US-Energieminister Chris Wright und seinem saudischen Amtskollegen unterzeichnet. Auf 30 Jahre ausgelegt, öffnet das Abkommen amerikanischen Wirtschaftsunternehmen die Tür zur Teilnahme am Aufbau der Nuklearenergieinfrastruktur des Königreichs nach einer gemeinsamen Studie. Ungewöhnlicherweise wurde der gesamte Text der Vereinbarung auf hoher Ebene als geheim eingestuft – eine Abweichung von der üblichen historischen Praxis, bei der 123er-Abkommen öffentlich gemacht wurden und nur ausgewählte technische Anhänge unter Verschluss gehalten wurden.

Das von der Regierung nach der Unterzeichnung erteilte Mandat, dass Saudi-Arabien den Abraham-Abkommen beitreten solle, überraschte die Beamten in Riad. Für die saudische Führung bleibt die Aufnahme formeller diplomatischer Beziehungen zu Israel explizit an einen glaubwürdigen Weg zur palästinensischen Eigenstaatlichkeit gebunden. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu vertritt jedoch die Auffassung, dass die palästinensische Eigenstaatlichkeit eine existenzielle Bedrohung für die israelische Sicherheit darstellt. Diese Haltung lässt den Nuklearpakt an eine geopolitische Bedingung gekoppelt, die weder ausländisches Kapital noch exekutive Anordnungen leicht in Einklang bringen können.

Für den Capitol Hill läuft die Zeit. Gemäß Bundesgesetz tritt das Abkommen nach 90 Legislativtagen automatisch in Kraft, es sei denn, der Kongress verabschiedet eine gemeinsame Entschließung zur Ablehnung. Gesetzgeber aus allen Parteien haben Skepsis geäußert und auf das Risiko hingewiesen, dass nationale Anreicherungskapazitäten letztendlich ein breiteres regionales Wettrüsten auslösen könnten. Ob die Regierung diese Nichtverbreitungsängste bewältigen kann, während sie ihre diplomatischen Bedingungen aufrechterhält, wird bestimmen, ob dieser 30-jährige industrielle Rahmen jemals das Licht der Welt erblickt.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com