Blaues Klebeband und scharfe Sprengköpfe: Der schlampige Transit französischer Raketen

Eine italienische Hafeninspektion enthüllt einen bizarren Versuch, scharfe Panzerabwehrraketen unter dem Deckmantel von inertem Trainingsmaterial zu transportieren.

Blue Tape and Live Warheads: The Slapdash Transit of French Missiles

Ein Streifen gewöhnlichen blauen Klebebands ist offenbar alles, was zwischen scharfer Kriegsmunition und einer routinemäßigen Fährfahrt über das Mittelmeer steht. Als italienische Polizeibeamte im Hafen von Bari einen aus Griechenland kommenden, französisch zugelassenen Lieferwagen anhielten, wurden ihnen internationale Frachtbriefe vorgelegt, die so vage wie unüberzeugend waren. Im Inneren des Fahrzeugs befanden sich fünf schwere Transportcontainer, die angeblich harmlose Trainingsausrüstung enthielten.

Die Realität war eher explosiver. Bei genauerer Überprüfung der Ladung entfernten italienische Militärexperten die blauen Klebebänder – die universelle NATO-Kennzeichnung für inertes Trainingsgerät – um die darunterliegende gelb-schwarze Farbe freizulegen, die für hochexplosive, panzerbrechende Munition reserviert ist. In drei der Startrohre befanden sich funktionsfähige Akeron-Panzerabwehrraketen. Ein weiterer Container enthielt eine inerte Trainingsrakete, während ein fünfter völlig leer war.

Der Fahrer, ein sechsundvierzigjähriger französischer Staatsbürger namens Regis Claude Albert Normand, behauptete, er sei lediglich ein Subunternehmer, der die Waffen im Auftrag des Rüstungsunternehmens MBDA zu einer Firma namens Altus LSA in Griechenland zur Reparatur transportierte. Sein Verteidigungsteam legte sogar eine Genehmigung des französischen Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2025 vor. Dennoch stellte die italienische Richterin Valeria Isabella Valenzi eine Reihe eklatanter Anomalien fest: nicht übereinstimmende Daten, widersprüchliche Stempel und das vollständige Fehlen der erforderlichen italienischen Transitgenehmigungen.

Um das Bild des administrativen Pfuschs zu vervollständigen, entdeckten die Ermittler, dass das Speditionsunternehmen, für das Normand angeblich arbeitete, auf den Namen seiner Frau registriert war und keinerlei berufliche Erfahrung oder spezielle Zertifizierung für den Transport von scharfem Kriegsmaterial besaß. Der Verteidigungsapparat einer Großmacht hielt es offenbar für angebracht, hochwertige Waffen mit einem nicht zertifizierten Familienunternehmen und einer Rolle Baumarkt-Klebeband durch europäische Häfen zu transportieren.

Normand befindet sich nun in Untersuchungshaft in Bari, während die italienischen Behörden die Herkunft und das tatsächliche Ziel der Lieferung untersuchen. Während Führungskräfte und Ministerien im Verteidigungsbereich beeindruckende schriftliche Genehmigungen ausstellen, brauchte es letztendlich italienische Hafenbeamte, um festzustellen, dass die übliche militärische Vorschrifteneinhaltung durch aufgeklebte Täuschung ersetzt worden war.

Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com