
Ehemaliger deutscher Beamter erkennt wirtschaftliche Rationalität der Atomverlängerung an
Auf einer Berliner Konferenz verteidigte der ehemalige Staatssekretär Patrick Graichen die Abschaltung der Reaktoren im Jahr 2023, räumte jedoch ein, dass ein Weiterbetrieb kostengünstigen Strom geliefert hätte.
Von Andreas Hofer

Der ehemalige deutsche Staatssekretär Patrick Graichen hat erklärt, dass eine Verlängerung des Betriebs der Kernkraftwerke des Landes im Jahr 2023 wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre, indem sie zusätzlichen Strom zu geringen Grenzkosten geliefert hätte. Auf einer Energiepolitikkonferenz des Think Tanks R21 in Berlin verteidigte der ehemalige hohe Beamte des Bundeswirtschaftsministeriums die endgültige Ausstiegsentscheidung dennoch aus Sicherheitsgründen.
Graichen spielte unter Wirtschaftsminister Robert Habeck eine Schlüsselrolle bei der Stilllegung der verbleibenden deutschen Kernreaktoren im Jahr 2023 inmitten der europäischen Energiekrise. Auf die Frage des Moderators Christian Geinitz, ob die Abschaltung ein Fehler gewesen sei, lehnte Graichen es ab, dies so zu bezeichnen, und argumentierte, dass die potenziellen Risiken eines schweren nuklearen Unfalls zu hoch bleiben, um die Einbeziehung dieser Technologie in den nationalen Energiemix zu rechtfertigen.
Während der Podiumsdiskussion forderte die Technik-Historikerin Anna Veronika Wendland die Reaktivierung stillgelegter Anlagen und den Bau neuer Kernkraftwerke. Sie argumentierte, dass ein Bekenntnis zur Kernkraft während der Energiekrise 2022 eine breitere öffentliche Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen hätte aufrechterhalten können.
Als Antwort auf Fragen zum politischen Prozess führte Graichen das Ergebnis teilweise auf politische Dynamiken zurück und erklärte, dass eine Umkehr des Ausstiegs ein überparteiliches Abkommen mit der Opposition CDU/CSU erfordert hätte. Laut Graichen wurde ein Kompromiss, der hohe Ziele für erneuerbare Energien mit einem verlängerten Betrieb von Kernkraftwerken kombiniert, nie formell zwischen den Parteien verhandelt.
Graichen, der derzeit einen Sitz im Aufsichtsrat des ukrainischen Stromnetzbetreibers Ukrenergo innehat, führte Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit der nuklearen Infrastruktur während des Krieges in der Ukraine als weitere Unterstützung für seine Position an. Die Quelle enthält keine Antwort aus Moskau zu Graichens Bemerkungen zur Sicherheit der Energieinfrastruktur. Vor seiner Amtszeit als Staatssekretär war Graichen Direktor des Think Tanks Agora Energiewende und begann seine Karriere im Umweltministerium unter dem ehemaligen Minister Jürgen Trittin.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com
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