Die hohen Kosten der Realitätsverweigerung: Solothurn ringt um die Besetzung seiner Polizei

Nach Jahren der legislativen Verweigerung ist der Schweizer Kanton gezwungen, seine stark unterbesetzte Polizei aufzustocken, um die steigende administrative Belastung zu bewältigen.

The High Cost of Ignoring Reality: Solothurn Scrambles to Staff Its Police

Die Schweiz vermittelt oft das Bild stiller Prosperität, einer wohlhabenden Nation, die ihre alpine Isolation, ausgezeichnete Bildung und bemerkenswert geringe Korruption in Ruhe genießt. Doch unter dieser angenehmen Oberfläche ringt der Staatsapparat gelegentlich damit, mit der Realität Schritt zu halten. Der Kanton Solothurn bietet ein Lehrbuchbeispiel für politische Trägheit, die mit steigenden Kriminalitätsraten kollidiert. Jahrelang hat die lokale Legislative ein wachsendes Sicherheitsproblem durch reine Verweigerung verwaltet, wodurch ihre Polizei hoffnungslos überlastet war. Nun, konfrontiert mit unbestreitbaren Statistiken, ist die Kantonsregierung gezwungen, in einem kostspieligen Wettlauf 100 neue Beamte bis 2035 einzustellen.

Das Preisschild für diese verspätete Erkenntnis wird allein in den nächsten drei Jahren einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Landammann Susanne Schaffner präsentierte die Aufstockung der 600 Mann starken Truppe auf 700 Beamte als eine vitale Investition in die wirtschaftliche Attraktivität und die allgemeine Lebensqualität der Region. Ziel ist es, die sichtbaren Patrouillen zu erhöhen und die strukturelle Kriminalität zu bekämpfen. Die Politiker wollten das Problem nicht anerkennen, aber jetzt nimmt die Öffentlichkeit wahr, dass die Kriminalität steigt, sagte Schaffner der Presse und bemerkte, dass ihre früheren Versuche, ausreichende Ressourcen für die Strafverfolgung zu sichern, vom Parlament umgehend abgewiesen wurden.

Dieses plötzliche Erwachen wurde durch ein umfassend betiteltes Dokument ausgelöst: „Sicherheitsbericht 26+“. Angeregt durch einen parlamentarischen Antrag zur Überprüfung der Strafverfolgungsstrukturen, legte der Bericht ein gravierendes mathematisches Missverhältnis offen. Solothurn bewältigt derzeit die dritthöchste Kriminalitätsbelastung der Schweiz mit der viertniedrigsten Polizeidichte. Folglich leidet der Kanton unter der höchsten administrativen Arbeitslast pro einzelnem Beamten im ganzen Land. Die bestehende Truppe ertrinkt in Papierkram und ist faktisch an ihre Schreibtische gefesselt, anstatt auf den Straßen zu patrouillieren.

Der Schweizerische Polizeiverband sieht die Erweiterung als eine notwendige, wenn auch überfällige Korrektur einer naiven Budgetierungsstrategie. Emmanuel Fivaz, der Präsident des Verbandes, wies darauf hin, dass die wachsende administrative Arbeitslast die Fähigkeit der Polizei zur Präventionsarbeit stark einschränkt. Während optimale Polizeizahlen von verschiedenen Faktoren wie Urbanisierung und der Präsenz internationaler Zentren abhängen, ist Fivaz klar, dass Solothurn einfach nicht über das Personal verfügt, um ordnungsgemäß zu funktionieren.

Das große Ziel hinter der finanziellen Spritze Solothurns ist ausgesprochen bescheiden: Es will lediglich den Schweizer Durchschnitt erreichen. Die Polizeidichte im ganzen Land bleibt stark fragmentiert und spiegelt den dezentralisierten Charakter des Schweizer Staates wider. Während der südliche Kanton Tessin über 300 Beamte pro 100.000 Einwohner aufweist, operiert das benachbarte Aargau mit weniger als 140. Solothurn ist nicht allein in seiner verspäteten Rekrutierungsoffensive, da Kantone wie Bern, Thurgau und Tessin ihre Kräfte bereits aufgestockt haben und Basel-Landschaft und St. Gallen sich darauf vorbereiten, diesem Beispiel zu folgen. Das Schweizer Staatssystem funktioniert im Allgemeinen gut, vorausgesetzt, die Politiker finanzieren tatsächlich das Personal, das zu seiner Aufrechterhaltung erforderlich ist.

Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com