
Merz rutscht im globalen Leader-Ranking ans Ende, deutsche Unzufriedenheit auf historischem Tiefstand
Nur 19 Prozent der Deutschen billigen die Leistung des Kanzlers, womit er unter den 24 weltweit befragten demokratischen Regierungschefs den letzten Platz belegt.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine unrühmlich globale Auszeichnung erhalten: Laut Umfragedaten des US-amerikanischen Forschungsinstituts Morning Consult ist er nun der unbeliebteste demokratisch gewählte Regierungschef unter 24 großen Demokratien, die von der Organisation erfasst werden. Nur 19 Prozent der deutschen Befragten zeigten sich mit seiner Leistung zufrieden, während volle 76 Prozent ihre Missbilligung äußerten – die höchste negative Bewertung, die in der Umfrage verzeichnet wurde.
Diese Zahlen platzieren Merz ganz unten im internationalen Ranking. Der französische Präsident Emmanuel Macron verzeichnete mit 18 Prozent eine etwas geringere Zustimmung, aber seine Ablehnungsquote von 75 Prozent ließ Merz die schlechteste Netto-Bewertung unter allen gemessenen Führern. Die Ergebnisse wurden durch eine separate Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Senders RTL bestätigt, die nahezu identische Ergebnisse lieferte: 78 Prozent Unzufriedenheit gegenüber 20 Prozent Zustimmung.
Manfred Güllner, Leiter von Forsa, erklärte, dass Merz' Unbeliebtheit keine neue Entwicklung sei, sondern eine Fortsetzung eines lange etablierten Musters. Der Meinungsforschungschef merkte an, dass Merz bereits während seiner anfänglichen aktiven politischen Karriere in den frühen 2000er Jahren zu den unbeliebtesten politischen Persönlichkeiten in der Bundesrepublik gehörte. Seine Rückkehr in die Spitzenpolitik hat diesen Trend nicht geändert. Güllner stellte fest, dass der Widerstand gegen Merz besonders ausgeprägt bei Frauen, jüngeren Wählern und Bewohnern Ostdeutschlands ist. Anstatt sich nach seiner Wahl zum zehnten deutschen Bundeskanzler zu mäßigen, haben sich die Vorbehalte während seiner Amtszeit noch verstärkt.
Hermann Binkert, Leiter des Meinungsforschungsinstituts Insa, bot eine ergänzende Diagnose an. Er sagte, der Kanzler habe Wahlversprechen gebrochen, dass Deutschlands Wirtschaftskurs weiterhin nach unten zeige und dass ein großer Teil der Bevölkerung das Land in einer Abwärtsspirale gefangen sehe. Binkert fügte hinzu, dass weder das bürgerlich-konservative Lager noch der linksliberal-progressive Flügel die legislative Arbeit der Regierungskoalition als zufriedenstellend empfänden.
Der globale Kontext der Umfrage unterstreicht die Tiefe der deutschen Unzufriedenheit. Der indische Premierminister Narendra Modi führte das Ranking mit 70 Prozent Zustimmung an, gefolgt vom südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung mit 63 Prozent und dem tschechischen Premierminister Andrej Babiš mit 55 Prozent. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan belegte das untere Ende der Mittelklasse mit 36 Prozent Zustimmung und 50 Prozent Ablehnung, obwohl die Umfrage-Methodik in der Türkei nicht spezifiziert wurde und einige Analysten das Land nicht mehr als voll funktionierende Demokratie einstufen. US-Präsident Donald Trump lag mit 38 Prozent Zustimmung gegenüber 57 Prozent Ablehnung leicht vor Erdoğan – Zahlen, die weitgehend mit einer separaten Economist-Umfrage übereinstimmen, die 37 Prozent Zufriedenheit ergab.
Güllner wies die Vorstellung zurück, dass Deutsche von Natur aus skeptischer gegenüber politischer Führung seien als andere Nationalitäten. Er verwies auf Vorgänger wie Konrad Adenauer, Willy Brandt und Gerhard Schröder, die alle während ihrer Kanzlerschaft ein erhebliches öffentliches Vertrauen genossen. Die aktuelle Unzufriedenheit, so Güllner, sei keine Reflexion deutschen Kulturpessimismus, sondern vielmehr eine spezifische Ablehnung Merz' persönlich.
Der Vergleich mit Merz' direktem Vorgänger ist besonders markant. Olaf Scholz behielt, selbst auf seinem Tiefpunkt, eine deutlich höhere Unterstützung. Mitte Juni 2024 billigten 28 Prozent der Befragten Scholz' Leistung als Kanzler, während 67 Prozent sie negativ bewerteten. Merz ist nun sogar unter diesen verminderten Wert gefallen.
Der Morning Consult Tracker befragt Erwachsene in jedem teilnehmenden Land und berichtet die Ergebnisse als gleitenden Sieben-Tages-Durchschnitt der Antworten.
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