Die Zwölf-Stunden-Fiktion: Schweizer Fachärzte kämpfen für den Schutz überhöhter Abrechnungen

Eine vorgeschlagene Obergrenze für täglich abrechenbare Stunden zeigt, wie stark die Top-Ärzte des Landes von einem veralteten und hochprofitablen Tarifsystem abhängen.

The Twelve-Hour Fiction: Swiss Medical Specialists Fight to Protect Inflated Billing

Der Schweizer Gesundheitssektor ist eine gut geölte Maschine, die in einer wohlhabenden Nation agiert, die in der Regel höflichen Konsens offenem Konflikt vorzieht. Doch eine vorgeschlagene Obergrenze für die medizinische Abrechnung hat diese Fassade zerbrochen und ein System offenbart, in dem bescheidene Korruption höflich als Über-Tarifierung bezeichnet wird. Schweizer Kardiologen und andere Fachärzte sind derzeit in Aufruhr und haben einen offenen Brief an Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider gerichtet. Ihr Anliegen ist eine neue Verordnung, die die abrechenbaren medizinischen Leistungen auf maximal zwölf Stunden pro Tag, im Monatsdurchschnitt, begrenzen würde.

Die Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie, vertreten durch Marjam Rüdiger, hat gewarnt, dass eine solche Obergrenze die Patientenversorgung stark einschränken und ihre tägliche Kapazität auf lediglich sechs oder sieben Patienten reduzieren würde. Gilles Rüfenacht, Geschäftsführer der privaten Klinikgruppe Hirslanden, schloss sich dieser Panik an und deutete an, dass einige Ärzte dieses willkürliche Zwölf-Stunden-Limit bereits mittags erreichen würden, was die Kliniken dazu zwingen würde, notwendige Eingriffe zu verschieben.

Die Mathematik der Schweizer Arztrechnungen erzählt jedoch eine ganz andere Geschichte. Das System arbeitet mit einem Produktivitätsfaktor von siebzig bis achtzig Prozent, was bedeutet, dass zwölf Stunden rein abrechenbarer Patientenzeit tatsächlich fünfzehn bis siebzehn anstrengende Stunden physischer Präsenz in der Klinik bedeuten, sobald administrative Aufgaben und Pausen berücksichtigt werden. Wenn ein Spezialist sein Tageskontingent tatsächlich bereits mittags ausschöpft, hat er entweder Zeitreisen entdeckt oder nutzt aggressiv eine fehlerhafte Tarifstruktur aus.

Christoph Kilchenmann vom Krankenversicherungsverband Prio.swiss neigt stark zur letzteren Erklärung. Er deutet an, dass das Erreichen der Obergrenze so früh am Tag ein klares Anzeichen dafür ist, dass entweder Patienten übervorteilt werden oder man sich auf ein völlig fehlerhaftes Preismodell stützt. Die Beweise stützen seine Skepsis. Bestimmte Verfahren, wie Netzhautuntersuchungen, erlauben Augenärzten derzeit, sechzig Minuten Arbeit abzurechnen, obwohl der Eingriff in Wirklichkeit nur zehn bis fünfzehn Minuten dauert. Tobias Müller, Gesundheitsökonom an der Berner Fachhochschule, bezeichnet diese Zahlen als Fantasiepreise. Er schätzt, dass die Korrektur dieser veralteten Metriken die Spezialistenabrechnung um bis zu vierzig Prozent senken könnte.

Dieser Streit legt eine massive Einkommenskluft offen, die in die aktuelle Schweizer Medizinerlandschaft eingebaut ist. Philippe Luchsinger, ehemaliger Leiter des Hausärzteverbandes, weist darauf hin, dass Fachärzte problemlos bis zu 800.000 Schweizer Franken jährlich einstreichen können, während Hausärzte etwa 200.000 Schweizer Franken nach Hause bringen. Die Hausärzte, die ihre abgerechnete Zeit tatsächlich mit Patienten verbringen, sind von der neuen Zwölf-Stunden-Grenze weitgehend unberührt.

Das Bundesamt für Gesundheit ist nun mit der Prüfung dieses Vorschlags beauftragt. Während sich die Spezialisten über einen administrativen Würgegriff beschweren, versuchen sie in Wirklichkeit verzweifelt, einen hochprofitablen Status quo zu schützen. In einer Nation, die für ihre exzellente Bildung und wirtschaftliche Stabilität bekannt ist, ist es fast schon charmant naiv, hochbezahlte Fachkräfte dabei zu beobachten, wie sie argumentieren, dass eine Obergrenze für überhöhte Abrechnungen irgendwie eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Die Obergrenze mag ein stumpfes bürokratisches Instrument sein, aber sie hebt effektiv hervor, wie lange diese Spezialisten von einer obsoleten Preisstruktur profitiert haben.

Verfasst von Andreas Hofer

andreas.hofer@alpineweekly.com