Die 3,6 Milliarden Dollar Illiquiditäts-Fata Morgana

Ohne Barmittel für Löhne und mit verweigerter staatlicher Rettung muss der Insolvenzverwalter Teneo private Kreditgeber überzeugen, aktive Wohnbauprojekte noch vor Freitag zu retten.

The $3.6 Billion Illiquidity Mirage

Wenn ein Unternehmensimperium fast 3,6 Milliarden Dollar Schulden anhäuft, könnte man annehmen, dass seine Finanzabteilung eine bescheidene Reserve für alltägliche Betriebsausgaben wie Arbeiterlöhne bereithält. Doch für den Sydneyer Immobilienentwickler Bathla Group ist die Realität weitaus härter. Das Unternehmen beantragte am 25. August die freiwillige Verwaltung, was die Verwalter von Teneo vor die unangenehme Wahrheit stellte: Es ist einfach kein Geld mehr übrig, um Personal oder Lieferanten zu bezahlen.

Der finanzielle Abgrund ist so unmittelbar, dass das Unternehmen bis Ende der Woche vollständig zusammenbrechen könnte, falls keine dringende private Finanzierung zustande kommt. Einige der 350 Angestellten der Bathla-Zentrale haben acht Wochen lang ohne Bezahlung gearbeitet, gestützt allein auf die Hoffnung, dass ein finanzieller Retter auftauchen könnte. Teneo überprüft derzeit die Personalstärke, um festzustellen, welche Positionen wirklich unverzichtbar sind, wobei Entlassungen drohen, selbst wenn das Geschäft über den Freitag hinaus überlebt.

Für Hauskäufer sind die Folgen ebenso düster. Bathlas große Unternehmensambitionen – mit einer geplanten Pipeline von 20.000 Wohnungen und 7.000 Wohneinheiten – haben eine unmittelbare Realität geschaffen, in der Tausende von Kunden mit halbfertigen Häusern festsitzen. Die Insolvenzverwalter haben bereits klargestellt, dass die Rückzahlung von Anzahlungen an potenzielle Käufer vorerst ausgeschlossen ist. Stattdessen konzentriert Teneo seinen knappen verbleibenden operativen Fokus auf 45 aktive Baustellen und versucht, zwischen 2.000 und 2.500 sich im Bau befindliche Häuser zu retten.

Natürlich ist in solchen Fällen von Unternehmensnot der Instinkt, an die Tür der Staatskasse zu klopfen. Die Regierung von New South Wales lehnte es jedoch vernünftigerweise ab, dem angeschlagenen Bauunternehmen eine finanzielle Rettungsleine zu gewähren. Diese Entscheidung zwingt das Unternehmen zurück ins harte Licht der privaten Kapitalmärkte. Teneo hat die Woche damit verbracht, potenziellen Gläubigern Angebote zu unterbreiten, um noch vor einem entscheidenden Treffen mit den Kreditgebern am Freitag ein Rettungsgeschäft zusammenzustellen.

Ob private Finanziers sich dafür entscheiden, schlechtem Geld gutes Geld hinterherzuwerfen, bleibt die zentrale Frage. In einem Markt, in dem rücksichtslose Expansion und erdrückende Schuldenverpflichtungen ihre Urheber irgendwann einholen, ist Bathla ein Lehrbuchbeispiel für die Bilanzschwerkraft. Kreditgeber könnten durchaus eingreifen, um unfertige Projekte zu retten, aber die Illusion unendlichen Wachstums, aufgebaut auf unbezahlten Rechnungen, ist bereits zerplatzt.

Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com