
Freihandel überwindet nationale Klagen in den Waadtländer Weinbergen
Während lokale Winzer über schrumpfende Binnennachfrage klagen, zeigt ein Unternehmen, wie offene Märkte und Handelsabkommen echtes Wachstum ermöglichen.
Von Andreas Hofer

Während ein Großteil des Schweizer Weinsektors weiterhin in Klagen über sinkenden Inlandskonsum und aggressive, preisgünstige ausländische Konkurrenz versinkt, wählte ein Waadtländer Produzent einen entschieden pragmatischeren Ausweg. Anstatt darauf zu warten, dass lokale Konsumenten ihren patriotischen Gaumen wiederentdecken, richtete Cyril Séverin vom Domaine du Daley seinen Blick auf offene globale Märkte.
Vor zwei Jahrzehnten setzte der Winzer in Lutry auf internationale Verkäufe. Heute verlässt ein Drittel seiner Produktion die Schweiz in Richtung asiatischer Destinationen wie Japan, China, Hongkong und Indonesien. Die Mechanismen dieser Expansion liegen weniger in romantischer Weinbau-Überlieferung als vielmehr in grundlegenden Wirtschaftsprinzipien begründet. Wo hohe Importzölle – wie die von den Vereinigten Staaten auferlegten – Schweizer Flaschen unerschwinglich teuer machen, schaffen bilaterale Freihandelsabkommen gleiche Wettbewerbsbedingungen. In Japan, wo Séverin seine eigene Weinhandelsgesellschaft gegründet hat und jährlich 8.000 Flaschen verkauft, kostet eine Flasche Chasselas 28 Schweizer Franken im Vergleich zu 20 Franken zu Hause.
Die Entwicklung spricht für sich. Beginnend mit bescheidenen 400 bis 600 Flaschen im Jahr 2006 hat Séverin seine internationale Präsenz jährlich um fünf Prozent erweitert. Dieser Exportmotor wird durch eine direkte internationale Präsenz oberhalb des Genfersees ergänzt. Durch Partnerschaften mit Flusskreuzfahrtanbietern besuchen jährlich rund 9.000 ausländische Touristen seine Terrasse, bevor sie sich auf den Weg nach Basel und Rotterdam machen.
Doch ungenutztes Potenzial bleibt durch staatliche Barrieren eingeschränkt. Brasilien schützt seinen Markt beispielsweise hinter einem imposanten Einfuhrzoll von 150 Prozent, obwohl Séverin beabsichtigt, den Markt zu betreten, sobald das Mercosur-Freihandelsabkommen in Kraft tritt. Er schlägt auch vor, dass Schweizer Botschaften den Sektor aktiv unterstützen könnten, indem sie offizielle Wein-Dinners veranstalten. Letztendlich ist die Lehre aus Lutry klar: individuelles Unternehmertum, winterliche Reisen zur Pflege von Importeuren und abmontierte Zölle tragen weit mehr zum kommerziellen Erfolg bei, als es nationale Klagen je könnten.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com



