
Flamingos gegen das Glück an der albanischen Küste
Ein Milliarden-Euro-Resortprojekt, das mit Jared Kushner in Verbindung steht, bringt die albanische Regierung gegen Umweltschützer auf und wirft bekannte Fragen über Fortschritt und politische Verbindungen auf dem Balkan auf.

Die Adria-Küste, lange Zeit durch kommunistische Paranoia vor Bebauung geschützt, sieht sich nun einer anderen Art von Ambition gegenüber. In Albanien treten Demonstranten mit Papp-Flamingos gegen ein milliardenschweres Resortprojekt an, ein Vorhaben, das die unverkennbare Handschrift der Trump-Familie trägt. Es ist eine bekannte Geschichte von Fortschritt versus Erhaltung, jedoch mit einer besonders modernen und politisch aufgeladenen Wendung.
Der von Jared Kushner vorangetriebene Plan sieht vor, die unbewohnte Insel Sazan und einen Teil der Narta-Lagune in eine Luxusenklave mit Hotels, Villen und einem Jachthafen zu verwandeln. Dies ist nicht irgendein Stück Land; die Lagune ist ein ausgewiesenes Wildtierreservat, ein entscheidender Zwischenstopp für Zugvögel. Dennoch sind bereits Bagger vor Ort, während Kushners Investmentfirma von der albanischen Regierung den Status eines Sonderinvestors genießt.
Premierminister Edi Rama zeigt sich unnachgiebig und bezeichnet das Projekt als wesentlich für Albaniens Ambitionen im Luxustourismus und seinen langen Weg nach Europa. Er hat erklärt, dass „es keine Chance gibt, dieses Investment zu stoppen, solange ich hier bin.“ Umweltgruppen, sowohl lokale als auch europäische, sehen das anders und warnen, dass geschützte Lebensräume „unumkehrbar zerstört werden.“ Die Stimmung in der Öffentlichkeit verschlechterte sich weiter, nachdem Aufnahmen auftauchten, die zeigten, wie ein Aktivist von privatem Sicherheitspersonal misshandelt wurde.
Jenseits des Umweltschutzes ist das Projekt in bekannte Balkan-Komplexitäten verstrickt. Die staatliche Antikorruptionsbehörde hat eine Untersuchung eingeleitet, obwohl die Details spärlich bleiben. Streitigkeiten über die Privatisierung des Landes selbst werfen einen weiteren Schatten, ein häufiges juristisches Problem in einer Region, in der Eigentumsrechte ein fließendes Konzept sein können. Man könnte sich fragen, ob dies eine saubere Investition oder ein klassischer Fall ist, in dem mächtige Interessen unberührte Vermögenswerte zu günstigen Konditionen erwerben.
Für diejenigen, die einen Blick in die Zukunft werfen wollen, liegt eine warnende Geschichte direkt jenseits der Grenze. Eine ähnliche von Kushner unterstützte Luxusentwicklung in Belgrad, die für einen denkmalgeschützten Militärkomplex geplant war, ist kürzlich zusammengebrochen. Nachdem das serbische Parlament ein Sondergesetz für das Projekt verabschiedet hatte, klagten Staatsanwälte einen Regierungsminister und andere wegen Amtsmissbrauchs an. Kushner zog sich daraufhin zurück. Dieser Präzedenzfall trägt wenig dazu bei, Vertrauen in Tiraner Vorhaben zu wecken, und deutet darauf hin, dass solche Großprojekte oft auf mehr als nur architektonische Baupläne angewiesen sind.
Verfasst von Andreas Hofer
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