Ein Staat zum Verkauf: Ecuadors hohler Krieg gegen das organisierte Verbrechen

Trotz eines harten Durchgreifens der Regierung sorgen zutiefst kompromittierte Institutionen dafür, dass die Kartelle die Oberhand behalten.

A State for Sale: Ecuador's Hollow War on Organized Crime

In der Küstenstadt Durán kämpft der ecuadorianische Staat mit einem kompromittierten Apparat gegen eine gut finanzierte Aufstandsbewegung. Die taktischen Siege lokaler Polizeieinheiten, die die Türen verlassener Häuser aufbrechen, um rostige Handfeuerwaffen und geringe Mengen Drogen zu beschlagnahmen, stehen in starkem Kontrast zum strukturellen Zusammenbruch der nationalen Sicherheitsarchitektur. Ecuador, einst ein stabiles Reiseziel, wurde schnell zum primären logistischen Knotenpunkt für den globalen Kokainhandel umfunktioniert.

Die Geografie ist unversöhnlich, und die wirtschaftlichen Gegebenheiten sind überwältigend. Eingebettet zwischen Kolumbien und Peru, den beiden größten Kokainproduzenten der Welt, bieten Ecuadors poröse Grenzen und die ausgedehnte Pazifikküste einen idealen Transitkorridor. Präsident Daniel Noboa schätzt, dass siebzig Prozent des für europäische und amerikanische Märkte bestimmten Kokains inzwischen durch sein Land fließen. Der daraus resultierende Zustrom illegalen Kapitals hat das lokale Machtgleichgewicht grundlegend verändert. Die unterfinanzierten Sicherheitskräfte des Staates werden routinemäßig von einheimischen Banden übertroffen, die in lukrativen Allianzen mit mexikanischen Kartellen und albanischen Netzwerken des organisierten Verbrechens operieren.

Präsident Noboas hartes Vorgehen in der Sicherheitspolitik der letzten zwei Jahre hat eine düstere Ernte eingebracht. Während führende Verbrecherbosse inhaftiert wurden, haben sich die Syndikate lediglich in kleinere, hochaggressive Ableger zersplittert. Das Land verzeichnete im vergangenen Jahr mehr als 9.200 Morde. In Durán verweisen lokale Kommandeure auf eine Reduzierung der Mordrate um fünfzig Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres als Beweis für Fortschritte. Doch Beamte vor Ort, wie Kapitän Jean Carlos Bustamante, gehen davon aus, dass ihre eigenen Institutionen gründlich von dem Syndikat namens Los Aguilas und seinen Rivalen unterwandert sind.

Die Rechtsstaatlichkeit in Ecuador wurde effektiv privatisiert. Das Justizsystem funktioniert wie eine Drehtür, wobei Staatsanwälte und Richter festgenommene Bandenmitglieder häufig wieder auf die Straße entlassen. Oberst Santiago Gavilanes, stellvertretender Kommandeur der Durán-Polizei, führt diese richterliche Nachsicht offen auf die immensen finanziellen Mittel zurück, die Banden einsetzen, um rechtliche und politische Gefälligkeiten zu erkaufen. Der Preis für operative Sicherheit ist deutlich quantifizierbar. Ein lokaler Bandenführer, der schwer bewaffnete Teenager in einem benachbarten Bezirk befehligt, stellt bis zu zweitausend Dollar pro Monat bereit, um mehrere Polizeibeamte auf seiner Gehaltsliste zu halten. Diese kompromittierten Beamten liefern Vorabwarnungen vor Razzien und stellen so sicher, dass die taktischen Operationen des Staates in leere Räume schlagen.

Auf den untersten Ebenen dieser illegalen Wirtschaft bleiben die Einsätze brutal hoch. Mikro-Dealer verkaufen eine stark verdünnte Heroinmischung namens „H“ für einen Dollar pro Päckchen, während Kinder ab zwölf Jahren in die Bandenstruktur aufgenommen werden und mit fünfzehn Jahren zu Auftragskillern avancieren. Die tägliche Realität für die Bürger ist eine Landschaft aus verirrten Kugeln und stiller Unterwerfung. Solange der Staatsapparat sehr anfällig für Bestechung bleibt, werden sporadische Polizeirazzien lediglich die Ränder eines florierenden Unternehmens stören. Die Kernmaschinerie der ecuadorianischen Narco-Ökonomie bleibt vollständig intakt.

Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com