
Trockenfallende Flüsse und hohe Kosten: Die trockene Realität der Schweizer Wasserkraftträume
Während die Dürre die Stromproduktion am Rhein um ein Drittel reduziert, sehen sich bürokratische Pläne für neue Kleinstanlagen mit harten wirtschaftlichen Realitäten konfrontiert.

Wenn der Rhein zu einem trägen Rinnsal wird, trifft die Energiepolitik auf das trockene Flussbett der Realität. In Birsfelden, der Heimat des grössten Schweizer Laufwasserkraftwerks, hat die Sommerhitze des Jahres 2026 ein normalerweise zuverlässiges Energieleistungspferd in ein deutliches Denkmal der hydrologischen Anfälligkeit verwandelt. Der Wasserfluss ist eingebrochen, was die Leistung um ein Drittel reduziert und zwei der vier massiven Generatoren der Anlage komplett stillstehen lässt.
Die Mathematik hinter dem Rückgang ist unerbittlich. Das Kraftwerk Birsfelden, das typischerweise etwa 17 Prozent des Haushaltsstroms der Grossregion Basel liefert, verarbeitet derzeit nur 270 Kubikmeter Rheinwasser pro Sekunde. Das ist ein Bruchteil seiner maximalen Kapazität von 1.500 Kubikmetern. Kraftwerksdirektor Sasha Jäger erwartet, dass 2026 als das schlimmste Produktionsjahr in der Geschichte des Kraftwerks eingehen wird, nachdem die Flusspegel um bis zu 65 Prozent gesunken sind. Weiter südlich meldet die BKW Energie AG einen ähnlichen dürrebedingten Rückgang der Produktion im ersten Halbjahr in ihrem gesamten Portfolio, obwohl der Berner Energiekonzern genaue Zahlen nicht preisgeben will.
Doch während grosse Energieproduzenten ihre Wassermargen schwinden sehen, scheinen die Behörden von der kaufmännischen Arithmetik merkwürdig losgelöst zu sein. Der Kanton Basel-Landschaft sucht aktiv Betreiber für sechs geplante Mikro-Wasserkraftwerke entlang der Flüsse Birs und Ergolz. Diese Planungsinitiative kommt trotz der Tatsache, dass beide Wasserwege während der Sommerhitzewelle auf ein Rinnsal reduziert waren.
Führungskräfte der Energiebranche zeigen sich vom lokalen Ausbau-Enthusiasmus des Staates offen unbeeindruckt. Norbert Beckert, Leiter Energieproduktion bei Elektra Baselland, bezeichnete solche Mikroprojekte als wirtschaftlich nicht rentabel und führte prohibitive Baukosten und umständliche Genehmigungsverfahren an. Seine Einschätzung stammt aus direkter Erfahrung: Eine kleinere Anlage, die seine Firma in Zwingen betreibt und erst vor fünf Jahren gebaut wurde, musste diesen Sommer zwei Monate lang komplett stillgelegt werden. Obwohl sie bewusst darauf ausgelegt ist, den Grossteil ihres Stroms in den feuchteren Wintermonaten zu erzeugen, stellen solche längeren Sommerausfälle die wirtschaftliche Geduld kommerzieller Betreiber auf die Probe.
Hydrologen wie Bettina Schaefli argumentieren, dass kleine, dezentrale Anlagen die lokale Versorgungssicherheit dennoch verbessern können, vorausgesetzt, sie sind speziell auf Wintererträge statt auf Sommerhöchstwerte ausgelegt. Doch ein bescheidener Winterertrag gegen die ökologische Störung durch die Dammbildung kleiner Flussbetten abzuwägen, bleibt eine zweifelhafte Gleichung. Können staatliche Planer wirklich profitable grüne Energie vorschreiben, wenn die Natur das Wasser verweigert und die Bürokratie die Rechnung in die Höhe treibt?
Verfasst von Thomas Nussbaumer
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