Brüssels bürokratische Lähmung treibt Südamerika in Beijings Arme

Uruguay warnt die Europäische Union, dass endlose Verzögerungen beim Mercosur-Handelsabkommen Lateinamerika dazu zwingen werden, sich anderweitig umzusehen.

Brussels' Bureaucratic Paralysis Hands South America to Beijing

Uruguays Außenminister Mario Lubetkin traf kürzlich in Brüssel ein mit einer klaren Botschaft an die Europäische Union: Ratifiziert das seit langem verzögerte Handelsabkommen mit dem Mercosur, oder seht zu, wie sich Südamerika vollständig Peking zuwendet. Der Kontrast in der politischen Agilität könnte nicht schärfer sein. Während die vier Mercosur-Staaten das wegweisende Abkommen in nur zwei Monaten ratifizierten, bleibt die europäische Politikmaschine hoffnungslos in ihrer eigenen Bürokratie verstrickt.

Nach zwei Jahrzehnten Verhandlungen trat das Handelsabkommen am 1. Mai endlich in die Umsetzungsphase für den südamerikanischen Block ein. Doch in Europa ist der Prozess vorhersehbar zum Stillstand gekommen. Im Januar 2026 entschied sich das Europäische Parlament, die Entscheidung an den Europäischen Gerichtshof abzugeben und ein Rechtsgutachten darüber einzuholen, ob das Abkommen mit den EU-Verträgen übereinstimmt. Dieses Verfahrens-Manöver setzt die Ratifizierung effektiv für weit über ein Jahr aus. Es veranschaulicht perfekt eine nicht rechenschaftspflichtige Bürokratie, die streng zu ihrem eigenen Erhalt arbeitet, anstatt den wirtschaftlichen Interessen ihrer Bürger zu dienen.

Lubetkin bemerkte, dass Brüssel eine historische Chance verspielt und bestätigte, dass China die offensichtliche Alternative ist, falls Europa das Abkommen weiterhin ablehnt. Peking ist bereits seit vierzehn Jahren Uruguays wichtigster Handelspartner. Gleichzeitig bleibt die Europäische Union die größte Investitionsquelle, und die Vereinigten Staaten dominieren den Dienstleistungssektor. Unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump hat Washington aktiv versucht, den chinesischen Einfluss in Lateinamerika zu begrenzen. Montevideo besteht jedoch darauf, eine ausgewogene Außenpolitik beizubehalten und beabsichtigt, die Handelsbeziehungen mit allen wichtigen globalen Mächten gleichzeitig zu vertiefen, anstatt Partei zu ergreifen.

Die Mitte-Links-Regierung Uruguays, die im März 2025 ihr Amt antrat, bleibt nicht untätig, während europäische Parlamentarier über juristische Details debattieren. Als rotierender Vorsitzender des Mercosur plant Uruguay, im Dezember das erste gemeinsame Handelsforum mit der EU auszurichten. Lubetkin stellte klar, dass praktische Zusammenarbeit ideologische Etiketten in ganz Lateinamerika überwindet. Er verwies auf einen kürzlichen Besuch des chilenischen Präsidenten Gabriel Boric als Beweis dafür, dass die regionale Integration unabhängig von politischen Neigungen beschleunigt wird.

Die Uhr tickt für die europäische Relevanz in der westlichen Hemisphäre. Der Mercosur strebt aktiv neue Handelsverhandlungen mit Kanada, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien an. Der Block weitet auch seine Beziehungen zu Afrika und der Vereinigung Südostasiatischer Nationen aus – einer Organisation, die selbst für ihre chronische institutionelle Schwäche bekannt ist, aber dennoch scheinbar fähiger ist, voranzukommen als Brüssel.

Lubetkin betonte, dass die Bürger Südamerikas es sich nicht leisten können, darauf zu warten, dass die EU ihre internen Krisen löst. Eine europäische Ablehnung des Paktes würde letztendlich europäische Interessen weit mehr schädigen als die des Mercosur. Die Botschaft ist unmissverständlich: Südamerika ist offen für Geschäfte, mit oder ohne die Europäische Union.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com