
Times Square bekommt eine zweite Portion Patriotismus, serviert im Brötchen
Jen Catron und Paul Outlaw haben ihren überdimensionalen Hotdog zum 250. Jahrestag Amerikas zurückgebracht und verwandeln die belebteste Bühne der Stadt in ein Stück öffentliches Theater.

Der Times Square hat schon viele Merkwürdigkeiten gesehen, aber ein 20-Meter-Hotdog sticht immer noch heraus. Die Brooklyner Künstler Jen Catron und Paul Outlaw haben Hot Dog: The Second Serving enthüllt, eine riesige Installation, die Amerikas 250. Jahrestag markiert und ihren früheren Hot Dog in the City wieder in die Öffentlichkeit bringt, nur größer und, man vermutet, selbstbewusster.
Die Wahl des Standorts ist kaum zufällig. Der Times Square ist einer der wenigen Orte in New York, wo ständige Bewegung, Lärm und Menschenmassen keine Belästigung, sondern der Sinn der Sache sind. Für Catron und Outlaw macht ihn das zu einer passenden Bühne für ein Werk, das sowohl als spielerisch als auch als exzessiv gelesen werden soll, ein bürgerlicher Witz mit ernstem Unterton.
Das ist natürlich der Trick. Öffentliche Kunst in einer Stadt wie New York begnügt sich selten damit, still dazusitzen und aus respektvoller Distanz bewundert zu werden. Sie muss mit Verkehr, Werbung, Touristen und dem allgemeinen Straßentheater konkurrieren. Ein riesiger Hotdog flüstert nicht gerade Subtilität, aber Subtilität war hier nie die Absicht. Die Künstler sagen, die Installation spiegele die amerikanische Gesellschaft durch ihre Mischung aus Menschen und unaufhörlicher Aktivität wider, was eine geschickte Art ist zu sagen, dass das Selbstbild des Landes oft laut, überfüllt und ein wenig absurd ist.
Hot Dog: The Second Serving wird nicht als nostalgische Hommage präsentiert, auch wenn es an ein nationales Jubiläum gebunden ist. Stattdessen nutzt es Größe und Absurdität, um einen Punkt über die Gegenwart zu machen. Die Arbeit leiht sich die Sprache der Feierlichkeiten aus und dehnt sie dann, bis sie an Satire grenzt. Das mag das Amerikanischste daran sein.
Es hat eine gewisse Logik, 250 Jahre mit einem Denkmal zu feiern, das aussieht, als wäre es aus einem Straßenrestaurant entflohen und an die meistfotografierte Kreuzung der Welt gewandert. Es ist fröhlich, übertrieben und unmöglich zu ignorieren. Ob das als Kommentar oder einfach als hervorragendes Timing gilt, hängt davon ab, wie großzügig man bereit ist, zivile Symbolik zu interpretieren. So oder so, der Times Square hat seine zweite Portion bekommen, und sie kommt mit einer Beilage nationaler Selbstgefälligkeit.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com
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