Die Last des antiken Prunks: Hollywoods Eitelkeit trifft auf den Antikenmarkt

Die Entscheidung einer Schauspielerin, persische Artefakte aus dem ersten Jahrtausend zu einer Londoner Filmpremiere zu tragen, enthüllt die undurchsichtigen Realitäten des globalen Handels mit historischen Schätzen.

The Burden of Ancient Bling: Hollywood Vanity Meets the Antiquities Market

Hollywood-Promotionstouren sind selten für ihre historische Genauigkeit bekannt, doch das jüngste Fotoshooting zur Verfilmung der Odyssee erreichte eine besondere Art geografischer Dissonanz. Die Schauspielerin Zendaya, besetzt als griechische Göttin Athene, trat vor Londoner Fotografen auf, geschmückt mit goldenen Medaillon-Plaketten, die aus dem ersten Jahrtausend v. Chr. stammen. Die Ironie, einen griechischen Mythos zu bewerben, während sie antike persische Artefakte trug, ging ihrem Gefolge völlig verloren. Stattdessen löste die modische Wahl einen heftigen Konflikt zwischen dem Luxusantiquitätenmarkt und Kulturerbe-Aktivisten aus.

Der Schmuck stammt aus dem Hortfund von Ziwiye, einem Schatz, der Ende der 1940er Jahre im Nordwesten des Iran entdeckt wurde. Diese antiken Plaketten wurden vom Mayfair-Händler Barron London von dem lokalen Juwelier Glenn Spiro erworben, der das jahrtausendealte Gold mit modernen Diamanten fasste. Für die Mayfair-Einzelhändler ist die Umwandlung archäologischer Funde in High-End-Accessoires ein gängiges Geschäft. Die Galerie besteht darauf, dass die Stücke lediglich eine breitere Wertschätzung der antiken persischen Goldschmiedekunst und ihres bemerkenswerten Handwerks fördern.

Den Ermittlern des Kulturerbes kann diese edle Darstellung nicht überzeugen. Romina Frohar, Gründerin des Forensic Archive of Iran, initiierte eine Petition, in der sie von Barron London die Veröffentlichung der vollständigen Provenienz der Plaketten fordert. Ihre Organisation verlangt, dass der Händler seine rechtlichen Compliance-Prüfungen offenlegt, eine physische Untersuchung der Gegenstände ermöglicht und den Verkauf aussetzt. Frohar argumentiert, dass der rechtmäßige Besitz allein die kulturellen Ansprüche der Bevölkerung, deren Geschichte die Objekte repräsentieren, nicht aufhebt.

Christos Tsirogiannis, Experte beim Schweizer Bundesamt für Kultur, äußerte sein Erstaunen darüber, dass der PR-Apparat der Schauspielerin nicht eingegriffen hatte, und wies auf die makabre Möglichkeit hin, dass die Gegenstände von einer alten Grabstätte geplündert worden sein könnten. Doch die rechtliche Realität solcher Gegenstände ist notorisch undurchsichtig. Simon Mackenzie von der Victoria University of Wellington stellt fest, dass, obwohl viele Nationen unautorisierte Ausgrabungen heute als Diebstahl einstufen, diese Vorschriften selten rückwirkend gelten. In Rechtsordnungen wie dem Iran bietet die Feststellung des genauen Datums, ab dem eine Diebstahlsregel anwendbar wurde, endlosen Stoff für rechtliche Manöver.

Diese Kontroverse enthüllt einen florierenden Parallelmarkt, auf dem Geschichte routinemäßig zur Ware gemacht wird. Jeder, der ein paar hundert Pfund besitzt, kann hellenistische Granat-Ohrringe online kaufen, während Auktionshäuser astronomische Summen erzielen. Im Jahr 2018 verkaufte Christie’s ein Relief des neuassyrischen Königs Assurnasirpal II. für fast 31 Millionen Dollar. Historische Eigentumsstreitigkeiten sind kaum neu und erinnern an die Übergabe des Koh-i-Noor-Diamanten durch den zehnjährigen Maharadscha Duleep Singh an Königin Victoria im Jahr 1849.

Die Eitelkeit von Prominenten hat jedoch einen zufälligen Nutzen. Wenn A-Prominente aus dem Handel mit seltenen Schätzen schöpfen, setzen sie diese Artefakte einer intensiven globalen Prüfung aus. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 2018, als Kim Kardashian neben dem vergoldeten ägyptischen Sarg des Nedjemankh posierte. Die daraus resultierende Publicity ermöglichte es Experten, die viermillionen Dollar teure Museumserwerbung als gestohlenes Artefakt zu identifizieren, das 2011 aus Ägypten geschmuggelt wurde. Hollywoods unstillbarer Appetit auf exklusiven Glitzer bleibt der effektivste, wenn auch völlig unbewusste, Prüfer des Antikenmarktes.

Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com