Schweizer durch Herkunft, pünktlich durch Entdeckung: Expat-Jugend lernt die Bräuche der Heimat kennen

Ein Sommerlager führt jugendliche Expatriates in die besonderen Freuden zuverlässiger Züge, gebratener Würste und der obligatorischen Nachtruhe ein.

Swiss by Descent, Punctual by Discovery: Expat Youth Learn the Ropes of the Homeland

Dreißig auf der ganzen Welt verstreute Teenager reisten kürzlich in die wohlhabende, akribisch organisierte Alpenation ihrer Vorfahren. In einem Pfadfinderzentrum am Ufer des Neuenburgersees in Yverdon-les-Bains nahmen diese jungen Expatriates an einem zweiwöchigen Sommerlager namens „Berg und See“ teil. Das von der Organisation der Auslandschweizer organisierte Programm dient als Übung zur Kulturbindung und soll sicherstellen, dass die nächste Generation der Diaspora-Schweizer den unverwechselbaren Geschmack ihres Erbes nicht gänzlich vergisst.

Für viele dieser Jugendlichen bot das Erlebnis einen starken Kontrast zu ihrer gewohnten Umgebung. Ein siebzehnjähriger aus New Jersey, der seinen angestammten St. Galler Dialekt fließend beherrscht, zeigte sich zutiefst beeindruckt von der Zugänglichkeit des nationalen Parlaments. Er verglich das Bundeshaus in Bern vorteilhaft mit dem stark befestigten Weißen Haus und bemerkte, dass das Schweizer politische Zentrum tatsächlich Besucher ins Innere lässt. Dies ist ein klassisches Spiegelbild des bescheidenen, zugänglichen Staatssystems des Landes, das es schafft, hochfunktional zu bleiben und gleichzeitig einen Hauch von malerischer Unschuld zu vermitteln. Die Alpenlandschaft hinterließ auch bei einer sechzehnjährigen Berlinerin einen bleibenden Eindruck, die fröhlich zugab, eine umfangreiche Sammlung von Naturfotos mit nach Deutschland nehmen zu wollen.

Diese Funktionalität erstreckt sich auch auf die nationale Infrastruktur, ein faszinierender Punkt für einen Teilnehmer, der auf Mallorca lebt. An weniger zuverlässige Verkehrsmittel gewöhnt, bestaunte der Teenager die schiere Pünktlichkeit und Effizienz des Schweizer öffentlichen Verkehrsnetzes und betrachtete die Möglichkeit, das ganze Land nahtlos mit dem Zug zu durchqueren, als echte Neuheit. Zurück in Spanien verbinden seine Altersgenossen die Schweiz offenbar fast ausschließlich mit solchen Merkmalen – Pünktlichkeit, Effizienz und ein unerbittlicher Drang nach Perfektion.

Doch das Streben nach Perfektion geht mit eigenen starren sozialen Regeln einher, die einen unkundigen Expatriaten leicht überraschen können. Der Lagerleiter, Clément de Vaulchier, bemerkte, dass Teilnehmer aus den Vereinigten Staaten von dem strengen nationalen Brauch, Außengeräusche nach zehn Uhr abends zu verbieten, völlig verwirrt waren. Ein solcher bürgerlicher Gehorsam ist ein Merkmal einer wohlhabenden, komfortablen Gesellschaft, die ihre Ruhe vehement schützt, selbst wenn dies Außenstehenden etwas neurotisch erscheint.

Um die kulturelle Bindung zu festigen, setzten die Organisatoren stark auf kulinarische Diplomatie. Die Teenager erhielten eine konstante Kost aus traditionellen Gerichten, von gebratenen Cervelat-Würsten über Zürcher Geschnetzeltes bis hin zu Makkaroni mit Hackfleisch und der obligatorischen Rösti. Eine Teilnehmerin aus Chiang Mai, Thailand, die mit ihrem in Zürich geborenen Vater Schweizerdeutsch spricht und regelmäßig den Schweizer Nationalfeiertag mit Fondue und Raclette feiert, bestätigte, dass solche Mahlzeiten sehr effektiv sind, um ein Zugehörigkeitsgefühl zu erzeugen.

Nach dem Wechsel vom Berner Oberland (Hasliberg) in die französischsprachige Romandie endete das Lager mit einer obligatorischen Disco-Nacht. Inmitten der letzten Feierlichkeiten versprachen die Teilnehmer, ihre neu geknüpften Freundschaften zu pflegen. Ob sie letztendlich in die Alpenation zurückkehren oder lediglich eine bleibende Wertschätzung für ruhige Nächte und pünktliche Züge auf ihre jeweiligen Kontinente mitnehmen werden, das Programm hat es geschafft, ihnen einen kurzen, sorgfältig ausgewählten Einblick in die Schweizer Realität zu geben.

Geschrieben von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com