
Die Schweiz erreicht das Viertelfinale der Weltmeisterschaft trotz unruhigen Sieges über Großbritannien
Die Gastgeber blieben beim Heimturnier in Zürich ungeschlagen, doch ein überraschend knapper Sieg gegen Großbritannien offenbarte einige Risse unter ihrer dominanten Bilanz.

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft der Männer hat sich ihren Platz im Viertelfinale der Weltmeisterschaft gesichert, nachdem sie Großbritannien in Zürich mit 4:1 besiegt hatte, obwohl die ungeschlagenen Gastgeber weit weniger souverän wirkten, als ihre perfekte Turnierbilanz vermuten ließ.
Die Schweizer bauten ihre Serie auf fünf Siege aus fünf Spielen beim Heimturnier aus und sicherten sich damit den Einzug in die K.-o.-Phase, obwohl noch zwei Gruppenspiele ausstanden. Auf dem Papier sah das Ergebnis routiniert aus. Auf dem Eis jedoch fühlte sich der Abend gelegentlich eher wie ein Team an, das sich daran erinnerte, wo es seine gewohnte Spielfreude gelassen hatte.
Die Schweiz startete stark und eröffnete den Torreigen früh durch Nino Niederreiter, der in der sechsten Minute nach einem präzisen Pass von Kapitän Roman Josi klinisch abschloss.
Die Gastgeber kontrollierten über weite Strecken den Puckbesitz und übertrafen die Briten deutlich bei den Schüssen, doch der offensive Rhythmus, der die früheren Leistungen der Schweiz ausgezeichnet hatte, fehlte manchmal. Trotz dominanter Feldüberlegenheit hatte das Team Mühe, den Druck konsequent in klare Torchancen umzusetzen.
Dennoch baute die Schweiz im Mittelabschnitt allmählich eine komfortable Führung auf. Nico Hischier verdoppelte die Führung zu Beginn des zweiten Drittels, bevor Simon Knak Mitte des Drittels ein drittes Tor hinzufügte.
Großbritannien blieb vor allem dank Torhüter Mat Robson am Leben, dessen Leistung verhinderte, dass das Spiel in eine weitaus höhere Niederlage mündete. Die britische Seite fand schließlich in der 35. Minute eine Antwort, als Josh Waller bei einem Konter traf, um den Rückstand auf 3:1 zu verkürzen.
Für einen kurzen Zeitraum am Ende des Spiels drohte sich der Schwung weiter zu verschieben.
Der Schweizer Stürmer Damien Riat klärte den Puck über das Plexiglas, während Teamkollege Niederreiter bereits eine Strafe absaß, was Großbritannien eine doppelte Überzahl und eine seltene Gelegenheit zum Comeback im Spiel verschaffte. Doch die Schweizer Unterzahleinheit bewältigte die Situation effektiv und beschränkte das neu aufgestiegene Team auf sehr wenige gefährliche Möglichkeiten. Sobald die Gleichzahl wiederhergestellt war, erlangte die Schweiz die Kontrolle zurück. Niederreiter besiegelte das Ergebnis schließlich in der 53. Minute, indem er einen Abpraller zu seinem zweiten Tor des Abends verwandelte, nachdem ein früherer Versuch von Timo Meier nach Videobeweis annulliert worden war, weil der Puck den Torrahmen statt die Linie getroffen hatte.
Der seltsamste Moment des Spiels ereignete sich kurz danach.
Veteranen-Torhüter Reto Berra, der nach einer Krankheit zum ersten Mal im Turnier auftrat, verpatzte einen scheinbar harmlosen Puck. Sein Schläger rutschte ihm aus den Händen, als der Puck langsam ins Schweizer Tor trudelte – eine Sequenz, die wahrscheinlich innerhalb der nächsten 48 Stunden in jeder Online-Zusammenstellung von „Hockey-Bloopers“ zu finden sein wird.
Zum Glück für Berra war die Peinlichkeit nur von kurzer Dauer. Die Offiziellen annullierten das Spiel wegen Abseits vor dem Tor und ersparten dem Schweizer Torhüter einen der unglücklichsten Höhepunkte des Turniers. Trotz der ungleichmäßigen Leistung blieb die statistische Dominanz der Schweiz klar. Die Gastgeber beendeten das Spiel mit einem beeindruckenden 41:13-Vorteil bei den Schüssen, was die Qualitätslücke zwischen den Teams unterstreicht, auch wenn das Endergebnis über weite Strecken des Wettbewerbs respektabel blieb.
Cheftrainer Jan Cadieux hat nun den Luxus, die beiden letzten Gruppenspiele ohne Druck bezüglich der Qualifikation anzugehen. Die Schweiz trifft am Samstag auf die ungarische Eishockey-Nationalmannschaft der Männer, bevor sie die Vorrunde nächste Woche gegen den ebenfalls ungeschlagenen Titelverteidiger, die finnische Eishockey-Nationalmannschaft der Männer, abschließt.
Dieses letzte Gruppenspiel könnte einen viel klareren Hinweis darauf geben, ob die Schweiz wirklich als Meisterschaftskandidat hervorgeht – oder ob sie einfach die Vorteile starker Heimunterstützung und günstiger früher Begegnungen genießt. Vorerst lassen jedoch fünf Siege aus fünf Spielen wenig Raum für Beschwerden, selbst an einem Abend, an dem die Eleganz gelegentlich eine Pause einlegte.
Written by Andreas Hofer
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