Das längste Warten im englischen Fußball ist vorbei: Arsenal sichert sich den Premier-League-Titel, nachdem City in Bournemouth patzt

Declan Rice postete „it's done“ (es ist geschafft) in den sozialen Medien. Leuchtraketen erhellten die Nacht vor dem Emirates. Und Mikel Arteta trat endlich aus dem Schatten von Pep Guardiola heraus.

Es dauerte 22 Jahre, drei aufeinanderfolgende Vizemeisterschaften und eine unerwartete Hilfestellung ausgerechnet von Bournemouth. Doch Arsenal ist endlich wieder englischer Meister.

Der Nordlondoner Klub sicherte sich am Dienstagabend seinen ersten Premier-League-Titel seit der berühmten „Invincibles“-Saison 2003/04, ohne selbst auf dem Platz zu stehen. Das 1:1-Unentschieden von Manchester City in Bournemouth beendete Citys Verfolgung rechnerisch und ließ Arsenal mit einem uneinholbaren Vier-Punkte-Vorsprung an der Tabellenspitze zurück, nur noch eine Spielrunde verbleibend.

Für einen Verein, der sich schmerzlich an Zusammenbrüche am Saisonende gewöhnt hatte, brachte die Bestätigung eine im englischen Fußball selten gesehene Katharsis. Arsenal hatte einen Großteil der Saison die Liga angeführt, nur um zu sehen, wie City ab Anfang April einen Sieben-Punkte-Vorsprung abbaute und nach einem 2:1-Sieg gegen die Gunners im Etihad am 19. April gleichzog. Die bekannte Angst schlich sich ein. Drei Jahre, in denen man Zweiter wurde – zweimal hinter City, einmal hinter Liverpool – hatten Narben hinterlassen.

Doch diesmal weigerte sich Arsenal, zu zerbrechen. Seit dieser Niederlage in Manchester gewann Artetas Mannschaft jedes einzelne Ligaspiel. City hingegen stolperte zweimal: ein Unentschieden gegen Everton und dann das Ergebnis vom Dienstag an der Südküste.

Declan Rice, Arsenals Rekordzugang im Mittelfeld, fasste die Stimmung in den sozialen Medien zusammen. „Ich habe es euch gesagt... es ist geschafft“, schrieb er, zusammen mit einem Foto von feiernden Teamkollegen. Für viele Arsenal-Anhänger war die Trophäe bereits gewonnen, als City es nicht schaffte, ihre Führung im Vitality Stadium zu halten. Die offizielle Übergabezeremonie findet am 24. Mai nach dem letzten Saisonspiel der Gunners gegen Crystal Palace im Selhurst Park statt.

Das Titelrennen war als potenzieller Abschied von Pep Guardiola inszeniert worden, dem Trainer von Manchester City, der Berichte, dass er den Verein am Saisonende verlassen würde, nicht dementierte. Sollte dies seine letzte Kampagne sein, endet sie nicht mit einer Trophäe, sondern mit einer seltenen Niederlage in der taktischen Schlacht gegen seinen ehemaligen Assistenten. Arteta arbeitete vor seinem Wechsel zu Arsenal im Jahr 2019 unter Guardiola bei City. Nun hat er geschafft, was sein Mentor nicht konnte: in dieser Saison die Premier League zu gewinnen.

Manchester City, die dominierendste Kraft im englischen Fußball des letzten Jahrzehnts, brauchte einen Sieg in Bournemouth, um das Titelrennen bis zum letzten Spieltag offen zu halten. Stattdessen hielten die Cherries sie zu einem Unentschieden, und die Trophäe ging nach Nordlondon.

Arsenal-Fans verloren keine Zeit. Vor dem Emirates Stadium erhellten Leuchtraketen den Nachthimmel. Fans sangen, zündeten Feuerwerk und hielten Poster von Arteta hoch, dem ehemaligen Spieler, der den Verein von Grund auf neu aufgebaut hat. Viele trugen auch Schilder mit Blick auf Budapest, wo Arsenal am 30. Mai im Champions-League-Finale auf Paris Saint-Germain treffen wird – eine Chance, den ersten Europapokal in der Vereinsgeschichte zu sichern.

Der aktuelle Kader steht nun neben Klubikonen wie Thierry Henry, Dennis Bergkamp und Ian Wright, den letzten Arsenal-Spielern, die den englischen Meistertitel in die Höhe stemmten. Die Mannschaft von 2004 blieb eine ganze Ligasaison ungeschlagen. Dieses Team, obwohl nicht unbesiegbar, hat sich auf eine andere Weise als widerstandsfähig erwiesen.

Seit 2004 haben Chelsea, Manchester United, Manchester City, Leicester und Liverpool abwechselnd die Trophäe in die Höhe gehalten. City und Liverpool hatten den Titel seit 2017 monopolisiert. Kein Verein außerhalb dieses Duopols war bis jetzt zum Champion gekrönt worden. Dies ist Arsenals 14. englischer Meistertitel, und für eine Generation von Fans, die nach den Invincibles geboren wurden, ist es der erste, den sie je gesehen haben.

Die Erleichterung ist spürbar. Die Feierlichkeiten haben begonnen. Und in Budapest wartet ein größerer Preis. Zweiundzwanzig Jahre des Wartens endeten an einem Dienstagabend im Mai, dank eines Unentschiedens an der Südküste und der Weigerung, aufzugeben. Die Premier-League-Trophäe kehrt nach Hause zurück. Die Frage ist nun, ob Arsenal eine weitere aus Ungarn mitbringen kann.