
Die Houthi-Strategie der Zermürbung: Raketen in Marib und Regionales Schachspiel
Während die vom Iran unterstützte Miliz vertriebene Zivilisten im Jemen ins Visier nimmt, versuchen Nachbarstaaten, Verteidigungspakte gegen einen sich ausweitenden Konflikt zu formalisieren.

Die zermürbende Realität des jemenitischen Bürgerkriegs erregt selten die globale Aufmerksamkeit, die sie einst hatte, doch die strategische Berechnung der vom Iran unterstützten Houthis bleibt so rücksichtslos konsequent wie eh und je. Am Freitag richtete die Miliz ihr Feuer auf Marib, eine der letzten großen urbanen Hochburgen der international anerkannten jemenitischen Regierung. Der Angriff forderte mindestens zwei zivile Todesopfer und vierzehn Verletzte. Für eine Stadt, die vom UN-Flüchtlingshilfswerk als Standort der größten Konzentration vertriebener Familien im Land identifiziert wird, sind solche Bombardierungen nicht nur bloße Gefechte. Es sind kalkulierte Übungen in demografischem Druck.
Jemens Gesundheitsminister Qassem Bahaibah wies umgehend alle medizinischen Einrichtungen an, ihre Bereitschaft zu erhöhen, und bezeichnete die Angreifer als Terrormiliz. Die offizielle Regierungsreaktion folgte einem vertrauten, wenn auch völlig vorhersehbaren Drehbuch. Eine Medienerklärung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit und Bevölkerung verurteilte den Angriff und erklärte, dass die gezielte Bombardierung sicherer Wohnviertel und Flüchtlingslager sowie die daraus resultierenden Opfer unter unbewaffneten Zivilisten eine flagrante Verletzung des humanitären Völkerrechts und aller humanitären Werte und Abkommen darstellt. Das Ministerium forderte die internationale Gemeinschaft ferner auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und eine ernsthafte Haltung zum Schutz der Zivilisten einzunehmen. Man könnte den Bewohnern von Marib verzeihen, wenn sie solche diplomatischen Appelle angesichts eines Jahrzehnts globaler Untätigkeit mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen.
Die zivilen Opfer in Marib sind lediglich eine Facette einer breiteren, sich intensivierenden Offensive. Nur einen Tag zuvor hatten Houthi-Kräfte mindestens dreißig Regierungssoldaten in den Provinzen Marib und Hadramout eliminiert. Während das jemenitische Verteidigungsministerium am Freitag berichtete, mehrere Drohnen über Marib erfolgreich abgefangen zu haben, deutet das schiere Ausmaß der intermittierenden Kämpfe seit Anfang Juli auf eine Miliz hin, die die Grenzen ihrer Gegner austesten will. Es überrascht nicht, dass die Houthi-Führung keinen unmittelbaren Kommentar zu den jüngsten zivilen Opfern abgegeben hat.
Diese lokalisierte Aggression ist untrennbar mit den umfassenderen geopolitischen Erschütterungen im Nahen Osten verbunden. Ermutigt durch die erhöhten Spannungen, die aus dem anhaltenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran resultieren, haben die Houthis gleichzeitig ihre grenzüberschreitenden Operationen eskaliert. Am Donnerstag verletzte ein Angriff auf die südwestliche saudische Stadt Najran elf Personen, darunter ein vierjähriges Kind, laut der von Saudi-Arabien geführten Koalition. Die Botschaft aus Sanaa, die die Houthis seit 2014 kontrollieren, ist unmissverständlich: Die Miliz besitzt sowohl die Fähigkeit als auch die Bereitschaft, Instabilität weit über die Grenzen des Jemen hinaus zu exportieren.
Die regionale Reaktion deutet darauf hin, dass die benachbarten Hauptstädte diese Bedrohung endlich verinnerlichen. In einem bemerkenswerten diplomatischen Manöver formalisierten Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan am Freitag einen gemeinsamen Verteidigungspakt, der ausdrücklich festlegt, dass ein Angriff auf einen Unterzeichner als Angriff auf alle drei behandelt wird. Riad versucht eindeutig, eine robustere Abschreckungsarchitektur aufzubauen. Doch während regionale Schwergewichte in glänzenden Regierungshallen neue Verträge ausarbeiten, müssen die vertriebenen Familien von Marib die tödlichen Folgen eines Stellvertreterkrieges bewältigen, der keine Anzeichen eines Endes zeigt.
Verfasst von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com
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