
Steuersenkungen versus Staatsfonds: Der Kampf um das Zuger Kantonsparlament
Mit 342 Kandidaten für 80 Sitze ringt die Mitte-Rechts um die Vorherrschaft, während die Linke auf wohnungspolitische Interventionen setzt.

Im steuerfreundlichen Zug entstehen politische Reibereien selten aus wirtschaftlichem Ruin. Stattdessen bieten die bevorstehenden Kantonsratswahlen 2026 ein Lehrbuchbeispiel für die Feinabstimmung lokaler Machtdynamiken. Mit 342 Kandidaten, die um 80 Parlamentssitze kämpfen, ist das Mitte-Rechts-Establishment des Kantons damit beschäftigt, sich um die Hoheit bei der Festlegung der Fiskalprioritäten zu streiten.
Im Mittelpunkt dieses Wettbewerbs steht Die Mitte, die mit 19 Sitzen einen hauchdünnen Vorsprung hält. Die historischen Zeiten ihrer absoluten Mehrheit sind vorbei. Ihr dicht auf den Fersen sind sowohl die FDP als auch die SVP, die jeweils 18 Sitze innehaben und den Mantel der stärksten Fraktion erobern wollen. SVP-Präsident Philipp C. Brunner untermauert die Bilanz seiner Partei mit unerbittlicher Steuerdisziplin und erklärt: Wir haben in den letzten vier Jahren eine sehr zugfreundliche Politik verfolgt. Um in Sachen Steuergrosszügigkeit nicht nachzustehen, hat FDP-Präsident Daniel Gruber Steuernachlässe vorgeschlagen, um zwei zusätzliche Sitze zu sichern: Wir wollen zwei Sitze gewinnen und von 18 auf heute 20 kommen.
Diese Rivalität hat interne Risse innerhalb der breiteren konservativen Front offengelegt. Sowohl die FDP als auch die SVP kritisieren Die Mitte routinemässig dafür, dass sie von der Parteilinie abweicht und sich bei wichtigen parlamentarischen Abstimmungen mit der Linken verbündet. Die Präsidentin von Die Mitte, Manuela Käch, wischt die Beschwerden beiseite und betont, dass pragmatische Kompromisse notwendig sind, um Probleme wie festgefahrene Baubewilligungsverfahren anzugehen.
Für die Linke bleibt die Überwindung der 61-Sitze-Mehrheit, die sich Mitte-Rechts und die sechs Sitze der Grünliberalen teilen, eine gewaltige Hürde. Zusammen kontrollieren die Sozialdemokraten und die Alternativ-Grünen lediglich 19 Sitze, wodurch sie konsequent überstimmt werden. Ihre Strategie, diesen Stillstand zu durchbrechen, konzentriert sich fast ausschliesslich auf die Wohnungspolitik. Die Alternativ-Grünen, angeführt von Luzian Franzini, setzen sich für kommunale Vorkaufsrechte bei Landerwerb ein. Die Sozialdemokraten gehen noch weiter: Parteichef Zari Dzaferi treibt eine Initiative voran, um einen öffentlichen Fonds von 750 Millionen Franken für den Kauf von Land und die Unterstützung von Wohnbaugenossenschaften zu schaffen, in der Hoffnung, dass diese Massnahme seiner Partei einen zusätzlichen Sitz einbringt.
Ob die Wähler in einer Region, die von niedrigen Steuern und Markteffizienz lebt, eine multimillionenschwere staatliche Intervention befürworten werden, ist eine andere Frage. In einem Parlament, das von Fiskalkonservativen dominiert wird, mag strukturelle Bürokratie in der Wohnungsentwicklung Aufmerksamkeit erfordern, aber öffentliche Millionen in Immobilien zu stecken, bleibt ein schwer zu gewinnendes Argument.
Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com
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