
Ein flüchtiger Triumph: Thun bereitet sich auf die Wahl seiner ersten Bürgermeisterin vor
Eine Stichwahl zwischen konservativen und grünen Kandidatinnen beleuchtet das unerbittliche, wenn auch manchmal redundante, Räderwerk der Schweizer Lokalpolitik.

Das politische Räderwerk in den wohlhabenden, bequem vorhersehbaren Gemeinden der Schweiz bringt selten Dramatik hervor. Die Alpenrepublik verfügt über ein robustes Staatssystem, das so reibungslos funktioniert, dass die Kommunalpolitik oft eher einer administrativen Umstrukturierung gleicht als einem echten Kampf der Visionen. Doch die malerische Stadt Thun ist derzeit Schauplatz eines leicht historischen Wahlkampfes. Nach dem Abschied des ehemaligen Bürgermeisters Raphael Lanz, der sein lokales Amt im März gegen einen Sitz in der Berner Kantonsregierung tauschte, wird die Stadt ihre erste Bürgermeisterin wählen.
Der erste Wahlgang am 14. Juni brachte keine absolute Mehrheit hervor, ein häufiges Merkmal in einer politischen Kultur, die Konsens bevorzugt, aber oft mehrere Gänge an die Wahlurne erfordert. Nun bietet die Stichwahl am 5. Juli eine klare ideologische Wahl. Auf der einen Seite steht Eveline Salzmann von der konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), die den ersten Wahlgang mit 7.446 Stimmen souverän anführte. Seit 2022 leitet sie die Sicherheits- und Sozialangelegenheiten der Stadt. Ihre Herausforderin ist Andrea de Meuron von den Grünen, die 4.507 Stimmen erhielt. De Meuron bringt das Finanzressort mit, da sie seit 2018 die Finanzen, Ressourcen und Umweltangelegenheiten geleitet hat und seit März dieses Jahres auch einen Sitz im nationalen Parlament innehat.
Das links-grüne Lager hat seine Kräfte für diese letzte Konfrontation geschickt gebündelt. Katharina Ali-Oesch von der Sozialdemokratischen Partei (SP) zog sich aus dem Rennen zurück, und ihre Partei hat ihre Unterstützung offiziell auf de Meuron gelenkt. Dieses taktische Manöver zielt darauf ab, den nahezu dreitausend Stimmen umfassenden Rückstand aus dem ersten Wahlgang aufzuholen. Ob diese Rechnung gegen die historisch starke konservative Basis in der Region ausreicht, ist jedoch höchst fraglich.
Wer auch immer am 5. Juli siegreich hervorgeht, wird sich einen Platz in den lokalen Geschichtsbüchern sichern und ein langjähriges männliches Monopol im Bürgermeisteramt brechen. Der Triumph wird jedoch bemerkenswert kurz sein. In einer Demonstration der etwas redundanten Gründlichkeit, die für den Schweizer Demokratiemechanismus typisch ist, wird die Siegerin kaum Zeit haben, ihren Schreibtisch einzurichten, bevor sie sich erneut den Wählern stellen muss. Die allgemeinen kommunalen Erneuerungswahlen stehen im Herbst an und erfordern von der frisch gekürten Bürgermeisterin, ihren gerade gewonnenen Titel fast sofort zu verteidigen. Es ist eine merkwürdig ineffiziente Eigenart in einer ansonsten sehr pragmatischen, wohlhabenden Nation, die im Allgemeinen Stabilität dem ewigen Wahlkampf vorzieht.
Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com
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