
Eine statistische Illusion von Stärke auf dem US-Arbeitsmarkt
Hinter den überraschend robusten Schlagzeilen zum August-Arbeitsmarkt verbirgt sich eine Mischung aus saisonaler Bürokratie, wachsenden Dienstleistungspositionen und einem unangenehmen Dilemma für die Federal Reserve.

Wäre Zentralbankpolitik so einfach wie die Reaktion auf Schlagzeilenzahlen, wäre die Debatte über die amerikanische Geldpolitik für diese Saison beendet. Das Bureau of Labor Statistics berichtete, dass die Wirtschaft der Vereinigten Staaten im August 162.000 Arbeitsplätze geschaffen hat, was die zaghaften Erwartungen der Konsensprognosen deutlich übertraf. Ökonomen, die von großen Nachrichtenagenturen und Finanzzeitungen befragt wurden, hatten sich auf bescheidene Zuwächse von etwa 53.000 bis 56.000 eingestellt, insbesondere nachdem der Juli einen Nettoverlust von 23.000 Stellen verzeichnete.
Auf dem Papier signalisiert ein solcher Aufschwung eine Wirtschaft, die gegen geldpolitische Straffung immun ist. Betrachtet man jedoch die Oberfläche, so wirft die Zusammensetzung dieser Einstellungswelle offensichtliche Zweifel an ihrer zugrunde liegenden Vitalität auf. Fast 42.000 dieser Neueinstellungen waren Stellen im lokalen Bildungssektor, ein vorhersehbares Kalenderphänomen, da Lehrer öffentlicher Schulen für das neue Schuljahr wieder auf den offiziellen Gehaltslisten erscheinen. Weitere 59.000 wurden im Gastgewerbe geschaffen – ein Sektor, der notorisch volatil ist und typischerweise durch niedrigere Löhne und hohe Fluktuation gekennzeichnet ist.
Während Bau und Gesundheitswesen moderate Expansionen von 22.000 bzw. 12.000 Arbeitsplätzen verzeichneten, zeigten hochwertige Unternehmenssektoren sichtbare Ermüdungserscheinungen. Die Informationstechnologie verlor 23.000 Arbeitsplätze, gezeichnet von angekündigten Entlassungen bei Firmen wie Scripps TV und Zillow. Finanzdienstleistungen verzeichneten einen Rückgang von 12.000 Stellen im Bank-, Immobilien- und Versicherungsbereich. Das private Sektor-Tracking von ADP meldete einen wesentlich bescheideneren Zuwachs von 38.000 Arbeitsplätzen, was eine deutliche Diskrepanz zwischen öffentlichen Datenmodellen und privaten Gehaltsabrechnungswirklichkeiten aufzeigt.
Diese Divergenz versetzt die Federal Reserve in eine bekannte Zwangslage, während sich ihr Führungsgremium auf die Sitzung vorbereitet. Zins-Futures, die von der CME Group verfolgt werden, zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um einen Viertelpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent nach der Veröffentlichung von 49 Prozent auf 60 Prozent sprang. Doch der politische Druck bleibt unerbittlich. US-Präsident Donald Trump forderte öffentlich auf seiner Social-Media-Plattform niedrigere Zinssätze und behauptete: Senkt die Zinssätze, denn die USA sind ein viel stärkerer Kredit als noch vor Kurzem!, während er Drohungen bezüglich der Handelsbilanzen mit Defizitländern erneuerte.
Die Finanzmärkte zeigten sich von der oberflächlichen Beschäftigungszahl unbeeindruckt. Die großen Indizes rutschten nach unten, wobei der Dow Jones Industrial Average um 0,5 Prozent und der Nasdaq um 0,2 Prozent fielen. Investoren scheinen sich bewusst zu sein, dass saisonale Besonderheiten des öffentlichen Sektors keine dauerhafte Unternehmensentwicklung bedeuten. Jenseits der Grenze meldete Statistics Canada einen Rückgang von 41.700 Arbeitsplätzen, was unterstreicht, wie Handelskonflikte, internationale Konflikte und demografische Verschiebungen die Beschäftigung im Nachbarland weiterhin stark belasten.
Ob ein Anstieg der Wiedereinstellungen an öffentlichen Schulen und des Restaurantpersonals weitere Zinserhöhungen rechtfertigt, ist eine Frage, die Zentralbanker bald beantworten müssen. Doch für diejenigen, die nach echten Produktivitätsgewinnen in der Privatwirtschaft suchen, bieten die Schlagzeilenzahlen mehr Rauschen als Signal.
Geschrieben von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com
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