
Der lange Weg nach Mexiko: Irans WM-Schwebezustand
Bevor sie von Toren träumen können, muss Irans Fußballnationalmannschaft erst einmal ein Wartespiel um amerikanische und mexikanische Visa gewinnen, wobei Spanien als vorübergehende Zwischenstation dient.

Der Weg zu einer Weltmeisterschaft, so könnte man meinen, ist gepflastert mit rigorosen Trainingseinheiten, taktischen Besprechungen und wachsender nationaler Begeisterung. Für Irans Fußballnationalmannschaft jedoch beinhaltet der unmittelbare Weg zum Turnier 2026 eine weniger glamouröse Übung: das Warten. Die Mannschaft plant, nach Spanien zu reisen, nicht für ein strategisches Trainingslager gegen europäische Rivalen, sondern anscheinend, um die Zeit zu überbrücken, bevor sie den Atlantik überquert, um ihre Basis in Mexiko zu erreichen.
Der Grund für diese europäische Reise ist ebenso banal wie aufschlussreich. Die Spieler haben die notwendigen Visa für die Einreise nach Mexiko und, vermutlich, in die Vereinigten Staaten noch nicht erhalten. Da das Turnier gemeinsam von den USA, Mexiko und Kanada ausgerichtet wird, stellt die Navigation durch die konsularische Bürokratie Nordamerikas das erste erhebliche Hindernis für das Team dar. Man geht nicht einfach in eine Weltmeisterschaft, die von Nationen ausgerichtet wird, zu denen die eigene Regierung eine notorisch schwierige Beziehung hat.
Die Wahl Spaniens als europäisches Wartezimmer ist kaum zufällig. Ein Land, das lange mit seinen eigenen wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen hatte und eine pragmatischere, weniger ideologisch starre Außenpolitik verfolgt, bietet einen bequemen Anlaufpunkt. Es dient als praktisches, wenn auch wenig glamouröses Sprungbrett für ein Team, das in den vertrauten Strömungen der internationalen Diplomatie gefangen ist. Hier ist zumindest die Logistik einfacher, während der komplexere diplomatische Tanz mit Washington und Mexiko-Stadt abläuft.
Diese Situation veranschaulicht, wie in der Welt des modernen internationalen Sports die größten Hürden oft weit entfernt vom Spielfeld zu finden sind. Lange bevor ein Ball getreten wird, ist der Wettbewerb einer aus Papierkram, Genehmigungen und politischen Empfindlichkeiten. Für die iranischen Spieler ist der Traum, auf der größten Bühne der Welt anzutreten, derzeit auf Eis gelegt, bis die Genehmigung eines Konsularbeamten vorliegt. Es ist eine deutliche Erinnerung daran, dass selbst im vermeintlich einigenden Bereich des Fußballs einige Teams einen viel längeren Weg zurücklegen müssen als andere.
Verfasst von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com




