Sept. 18, 4:02 PM

Die hohen Kosten kleiner Margen bei Manchester United

Michael Carrick wischt frühen Jobdruck beiseite, doch die Bilanz des Fußballelite lässt wenig Raum für Sentimentalität.

The High Cost of Small Margins at Manchester United

Flitterwochen im modernen Spitzenfußball sind bekanntermaßen kurz, doch Michael Carrick dürfte die Kälte schneller spüren als die meisten. Nur wenige Monate, nachdem er eine beeindruckende Übergangszeit in einen dauerhaften Managervertrag umwandelte, indem er Manchester United zu einem dritten Platz und der Rückkehr in die Champions League führte, sieht sich der Trainer nun Fragen zu seiner langfristigen Zukunft im Old Trafford gegenüber.

Die Bilanz der aktuellen Saison bietet kaum Schutz. United hat aus den ersten vier Premier-League-Spielen magere vier Punkte geholt. Um das nationale Elend zu verstärken, erfolgte ein frühes Ausscheiden aus dem Ligapokal auf demütigende Weise gegen Brighton, wo United zu Hause eine Zwei-Tore-Führung verspielte und mit 3:2 verlor – ein Zusammenbruch, der im Old Trafford seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen wurde.

In der Öffentlichkeit strahlt Carrick die unerschütterliche Ruhe eines erfahrenen Mittelfeldspielers aus, der dieses Szenario schon oft erlebt hat. Vor der Reise nach Fulham am Sonntag wies er Fragen zu seiner Jobsicherheit als völlig irrelevant zurück und betonte, dass langfristiger Fortschritt das Überwinden unangenehmer Rückschläge erfordere. Er hob hervor, dass Gedanken an Eigentümerfristen oder seine Zukunft nicht einmal auf seinem Radar seien, und fügte hinzu, dass die Geschichte zeige, wie jede erfolgreiche Mannschaft schwierige Phasen durchstehen müsse.

Doch Trainerentlassungen hängen selten von der Philosophie ab; sie hängen vom Momentum ab. Carrick verweist auf knappe Entscheidungen und Pech als beitragende Faktoren. Ein umstrittenes Tor für Manchester City – nachträglich von Schiedsrichterbehörden wegen eines VAR-Fehlers als Abseits anerkannt – und ein später Fernschuss von Evertons Ainsley Maitland-Niles haben United zweifellos Punkte gekostet.

Während kleine Details oft Sieg von Niederlage auf höchstem Niveau trennen, agiert das Elite-Sportmanagement mit einer kompromisslosen Bilanz. Ausreden, so legitim sie auch sein mögen, bringen keine Ligapunkte und beruhigen keine nervösen Vorstände. Carrick selbst gab zu, dass das Gewinnen von Spielen das einzige wirksame Mittel bleibt, um zugrunde liegende Mängel zu kaschieren.

Potenzielle Entlastung könnte im Craven Cottage mit der Rückkehr des Verteidigers Luke Shaw nach Verletzung und dem voraussichtlichen Debüt des 70 Millionen Pfund teuren Sommerzugangs Carlos Baleba eintreffen. Ob diese taktischen Anpassungen die Entwicklung ändern können, bleibt eine offene Frage. In einem Umfeld, das von hohen Kapitalinvestitionen und unerbittlicher Prüfung geprägt ist, ist Geduld ein bemerkenswert rares Gut. Carrick behauptet, einen Sturm vorausgesehen zu haben; die Frage ist nun, ob sein Kader die strukturelle Integrität besitzt, um ihn zu überstehen.

Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com