
Ruf auf dem Papier, Fehlfunktion auf dem Platz
Patrick Vieiras schleppendes Debüt mit Senegal verdeutlicht die anhaltende Kluft zwischen europäischem Prestige und afrikanischer Verwaltungsrealität.

Wenn eine Trainerbilanz eine miserable Zeit aufweist, die am Ende der Serie A mit Genua endete, mag die Übernahme einer Nationalmannschaft in Aufruhr wie eine abenteuerliche Wahl erscheinen. Doch Patrick Vieira fand sich in Maputo für sein erstes Spiel als Senegals Cheftrainer an der Seitenlinie wieder. Sein Debüt lieferte ein vorhersehbares Ergebnis: ein 1:1-Unentschieden gegen Mosambik, das den aktuellen Zustand der westafrikanischen Fußballführung perfekt widerspiegelte.
Senegal ging nach zweiunddreißig Minuten durch den Aston-Villa-Stürmer Nicolas Jackson in Führung, der eine flache Hereingabe verwertete. Dieser kurze Moment der Kompetenz wurde vor der Halbzeit ausgelöscht, als Geny Catamo von Sporting durch einen überfüllten Strafraum schoss, um auszugleichen. Trotz dominantem Ballbesitz nach der Pause fehlte Vieiras Team die Schärfe, um eine entschlossene mosambikanische Abwehrreihe zu durchbrechen.
Das Spiel selbst bot einen stillen Kommentar zur institutionellen Vernachlässigung. Ursprünglich sollte es im Senegal ausgetragen werden, doch wurde das Spiel nach Mosambik verlegt, da kein Stadion in der westafrikanischen Nation derzeit internationale Standards erfüllt. Für eine Nation, die die letzten Monate in Kontroversen verstrickt war – das Verlassen des Spielfelds während des AFCON-Finales gegen Marokko, der Verlust des Titels am grünen Tisch und das Ausscheiden aus der Weltmeisterschaft nach dem Verspielen einer Zwei-Tore-Führung gegen Belgien – fühlt sich die Unfähigkeit, ein Fußballspiel zu Hause auszutragen, fast schon thematisch an. Vieira, der eine Mannschaft erbte, die den zurückgetretenen Torhüter Edouard Mendy verloren hatte und ohne den verletzten Sadio Mane auskommen musste, scheint ein administratives Kopfzerbrechen gegen ein anderes eingetauscht zu haben.
Andernorts auf dem Kontinent setzte sich die Erzählung der strauchelnden Giganten fort. Nigeria, das sich für die letzten beiden Weltmeisterschaften nicht qualifizieren konnte, schaffte es, eine totale Demütigung zu Hause gegen Madagaskar abzuwenden. Früh in Uyo in Rückstand geraten, verließ sich eine Super-Eagles-Mannschaft ohne Victor Osimhen auf die internationalen Debütanten George Ilenikhena und Moses Usor, um das Spiel zu drehen und einen 2:1-Sieg zu sichern. Usor, der derzeit für den österreichischen Meister LASK spielt, erzielte in der fünfundsechzigsten Minute den Siegtreffer und hielt die nigerianischen Qualifikationshoffnungen vorerst intakt.
In Bamako zeigte Mali eine dominante Leistung gegen Kap Verde und sicherte sich vor fünfzigtausend Zuschauern einen 3:1-Sieg. Kap Verde, zuvor gefeiert dafür, Spanien ein Unentschieden abgerungen und Argentinien bei der Weltmeisterschaft in die Verlängerung gezwungen zu haben, wurde sowohl der malischen Intensität als auch selbstverschuldeten Fehlern zum Opfer. Die bizarre Entscheidung von Torhüter Vozinha, einen Ball außerhalb seines Strafraums mit der Brust anzunehmen, verschaffte Dorgeles Nene ein leeres Tor für Malis drittes Tor.
Während Senegal im Oktober auf die Entscheidung seines Einspruchs vor dem Internationalen Sportgerichtshof bezüglich des verwirkten AFCON-Titels wartet, verdeutlicht Vieiras Debüt einen anhaltenden strukturellen Mangel. Elite-Spielerfahrung behebt selten organisatorisches Chaos, und ein fades Unentschieden in Maputo gibt wenig Anlass, eine schnelle Wende zu erwarten.
Geschrieben von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com
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