Privatisierung des Spielfelds: Der fragile Waffenstillstand der UEFA mit der FIFA

Der europäische Fußball zieht seine Boykottdrohung zurück, doch Gianni Infantinos Führung bleibt umstritten.

Privatizing the Pitch: UEFA’s Fragile Truce With FIFA

Wenn globale Sportbürokratien streiten, ist edle Rhetorik über Prinzipien meist kaum mehr als eine taktische Deckung für die administrative Selbsterhaltung. So ist es auch in der hochkarätigen Auseinandersetzung zwischen Nyon und Zürich. Der europäische Fußballverband UEFA scheint bereit zu sein, seinen angedrohten Boykott von FIFA-Wettbewerben aufzugeben, nachdem Zusicherungen eingeholt wurden, dass Gianni Infantinos Private-Equity-Ambitionen begraben bleiben werden.

Die Pattsituation entstand Ende Juli im Zuge des sogenannten FIFA Forward Enterprise Vorschlags. Der Plan sah vor, Drittanbieter-Privatinvestoren einzuladen, Anteile an einer neuen kommerziellen Tochtergesellschaft zu erwerben, die mit der Verwaltung der FIFA-Leuchtturmveranstaltungen, einschließlich der Weltmeisterschaft, beauftragt ist. Für europäische Administratoren war die Finanzialisierung internationaler Turniere auf diese Weise eine inakzeptable Erosion der Governance – oder vielleicht einfach eine kommerzielle Bedrohung ihrer eigenen Marktbeherrschung. Obwohl die FIFA das umstrittene Projekt Anfang des Monats stillschweigend fallen ließ, weigerte sich die UEFA zunächst, ihren Boykott aufzuheben, und forderte explizite Garantien, dass ähnliche kommerzielle Experimente niemals wieder versucht würden.

Diese Zusicherungen haben die UEFA-Funktionäre nun zufriedengestellt und den Weg für eine formelle Resolution auf einer Mitgliederversammlung am Donnerstag geebnet. Das unmittelbare praktische Ergebnis wird in Polen zu spüren sein, wo die U20-Frauen-Weltmeisterschaft nächsten Monat stattfinden soll. Polen, das seine Fähigkeit als sicherer und zuverlässiger Anker für große internationale Sportveranstaltungen in Mitteleuropa weiterhin unter Beweis stellt, wird nun ein komplettes Turnier mit europäischen Anwärtern wie Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und England ausrichten.

Doch der Rückzug vom Boykott signalisiert keine breitere Versöhnung. Der Widerstand gegen Infantinos Führung verhärtet sich in ganz Europa weiter. Italien und Rumänien haben sich kürzlich der Liste der Verbände angeschlossen, die ihre Unterstützung für Infantinos Wiederwahl 2027 zurückziehen. Der Präsident des italienischen Fußballverbandes, Giovanni Malagò, betonte ein Bekenntnis zu einem europäischen Modell, das auf Verdienst und Nachhaltigkeit basiert, während der rumänische Chef Răzvan Burleanu öffentlich erklärte, dass die FIFA einen Führer benötigt, der Konsens bilden kann, anstatt Keile zwischen die Mitgliedsnationen zu treiben.

Infantino behält jedoch mächtige globale Verbündete. Die Unterstützung in Südamerika, Mexiko und sechs arabischen Fußballverbänden bleibt fest. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump mischte sich ebenfalls auf Truth Social ein und argumentierte, dass eine Trennung von Infantino ein schwerwiegender Fehler für den finanziellen Erfolg der FIFA wäre. Während sich die bürokratische Maschinerie auf ihre nächste politische Schlacht vorbereitet, mag der europäische Fußball diesen Scharmützel um das Privatkapital gewonnen haben, doch der Krieg darüber, wer das globale Spiel wirklich kontrolliert, ist noch lange nicht vorbei.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com