Transatlantische Nostalgie und sozialistische Echos in Brooklyn

Katharina Dröges USA-Reise unterstreicht das anhaltende Interesse der Grünen an progressiver amerikanischer Politik.

Transatlantic Nostalgia and Socialist Echoes in Brooklyn

Wenn Donald Trump das Weiße Haus besetzte, verpassten deutsche Grünen-Politiker selten eine Gelegenheit, ihre tiefe Besorgnis über den Zustand der amerikanischen Demokratie auszudrücken. Moralische Empörung über den Atlantik hinweg war lange Zeit ein fester Bestandteil der Parteirethorik in Berlin. Doch wenn politische Sichtbarkeit ruft, erweist sich die Versuchung, eine Pilgerreise in die Neue Welt zu inszenieren, als bemerkenswert schwer zu widerstehen. Auf den Spuren ihres Co-Parteivorsitzenden Felix Banaszak begab sich die Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge kürzlich auf ihre eigene politische Reise durch die Vereinigten Staaten.

Die Tour begann natürlich in New York, einer Stadt, die sowohl internationales Prestige als auch vertraute ideologische Wärme bietet. Dröge nutzte den Aufenthalt, um Annalena Baerbock zu besuchen. Die ehemalige deutsche Außenministerin, deren Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung am 8. September mit dem Ende ihrer 80. Sitzung endet, bereitet sich darauf vor, eine neue Rolle an der Columbia University zu übernehmen. In den sozialen Medien dokumentierte Dröge begeistert ihr Wiedersehen und lobte ihre dauerhafte Freundschaft zusammen mit Fotos, die in der Stadt aufgenommen wurden.

Über Fototermine mit hochrangigen Parteikollegen hinaus suchte Dröge das Gespräch mit lokalen politischen Persönlichkeiten. Sie berichtete von Diskussionen mit jungen progressiven Gesetzgebern in Brooklyn und Harlem, um das amerikanische politische Klima vor den bevorstehenden Zwischenwahlen zu bewerten. Auffallend fehlten in ihren öffentlichen Berichten die genauen Identitäten dieser Gesprächspartner. In Bezirken wie Brooklyn, wo die Democratic Socialists of America erheblichen Einfluss haben und prominente Persönlichkeiten wie New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hervorgebracht haben, trägt der Begriff „progressiv“ oft eine deutlich linkssozialistische Konnotation.

Nach ihrem Aufenthalt in New York führte Dröges Reiseroute sie tiefer ins amerikanische Kernland, durch den Rust Belt mit geplanten Besuchen in Ohio und Minnesota. Diese Bereitschaft, sich mit lokalen US-Vertretern auszutauschen, steht in merkwürdigem Kontrast zu ihren früheren Charakterisierungen der amerikanischen Regierungsführung. Dröge hatte routinemäßig scharfe Kritik an der US-Politik unter Donald Trump geübt, seiner Regierung vorgeworfen, internationales Recht zu verletzen, und die innenpolitischen Verhältnisse in Nordamerika in dramatischen Worten beschrieben.

Ob solche politischen Studienreisen tatsächlich substanzielle politische Erkenntnisse für die deutsche Regierungsführung liefern, bleibt offen. Für Parteiführer, die ihr außenpolitisches Ansehen bei den Getreuen stärken wollen, bleibt ein ideologischer Ausflug nach Brooklyn und in den Rust Belt eine ansprechende Übung.

Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com