
Das schöne Spiel trifft auf die Grenzmauer
Die Ambitionen der FIFA für die Weltmeisterschaft kollidieren mit den harten Realitäten der US-Einwanderungspolitik und einem chaotischen Ticketmarkt, was die Idee eines globalen Turniers überhaupt in Frage stellt.

Man muss den Optimismus, oder vielleicht die willentliche Blindheit, der globalen Fußballfunktionäre bewundern. Von einem Posten im Trump Tower in Manhattan aus plante die FIFA-Führung ein Turnier, das die Welt vereinen sollte, und rechnete allein mit Einnahmen von über drei Milliarden Dollar aus Tickets und Hospitality. Doch während die Eröffnungsspiele beginnen, wird ihre große Vision von zwei eher vorhersehbaren Kräften demontiert: Marktdynamik und nationaler Souveränität.
Das erste Anzeichen von Problemen zeigte sich auf dem Markt. Mit Ticketpaketen, die bis zum Fünffachen der Kosten des vorherigen Turniers bepreist waren, war die Veranstaltung klar auf die Firmenloge statt auf den passionierten Fan zugeschnitten. Der Markt hat, wenig überraschend, mit Achselzucken reagiert. Erstaunliche 180.000 Tickets verharren nun auf der offiziellen Wiederverkaufsplattform, wobei die Medianpreise in nur einem Monat um ein Fünftel gefallen sind. Es scheint, dass der weltweite Appetit auf exorbitant teuren Fußball seine Grenzen hat.
Beunruhigender ist jedoch die Kollision des Turniers mit den unnachgiebigen Realitäten der amerikanischen Grenze. Die hehren Ideale der Sportdiplomatie haben bei US-Einwanderungsbeamten wenig Gewicht. Für qualifizierte Nationen wie Iran und Somalia ist das Turnier bereits eine Tortur. Die iranische Mannschaft musste in Tijuana, Mexiko, trainieren, nachdem 15 ihrer Mitarbeiter, einschließlich des Leiters ihres Fußballverbands, Visa verweigert wurden.
Die Vorfälle sind nicht isoliert. Ein somalischer Spitzen-Schiedsrichter wurde Berichten zufolge 11 Stunden lang in einer Zelle festgehalten, bevor er aus dem Land ausgewiesen wurde. Ein irakischer Starstürmer wurde in Chicago sieben Stunden lang inhaftiert. Dies sind keine bloßen administrativen Pannen; sie sind deutliche Demonstrationen, wo die wahre Macht liegt. Die FIFA mag das Spielfeld regieren, aber Washington regiert die Einreisepunkte. Die Vorstellung, dass Fußball die Politik transzendiert, entlarvt sich als hohler, wenn auch profitabler, Marketingslogan.
Was wir erleben, ist die Neudefinition eines globalen Ereignisses. Es wird weniger von den konkurrierenden Teams geprägt als vielmehr von den Ländern, die ihre Leute durch die Tore bringen können oder nicht. Die Frage ist nicht länger nur, wer die Trophäe heben wird, sondern wer überhaupt spielen darf. Während das Spektakel sich entfaltet, fragt man sich, ob die Organisatoren jemals bedacht haben, dass die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft erfordert, dass die Welt eingeladen wird.
Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com
Neueste Nachrichten





