Sept. 11, 11:00 AM

Geld vor Inhalt: World Athletics strafft das Feld für Budapest

Ein Rekordpreisgeld und ein verkürzter Zeitplan kennzeichnen eine TV-gerechte Umgestaltung, die traditionelle Disziplinen außen vor lässt.

Cash Over Content: World Athletics Trims the Field for Budapest

Die Leichtathletik hat lange vorgegeben, nach antiken Idealen zu funktionieren, doch Geld bleibt das ultimative Schmiermittel. Dieses Wochenende ist die ungarische Hauptstadt Gastgeberin der ersten World Athletics Ultimate Championship, einer dreitägigen Veranstaltung, die explizit darauf ausgelegt ist, historisches Ansehen gegen Fernsehquoten und finanzielle Anreize einzutauschen.

Der Dachverband hat eine ausgewählte Gruppe in Budapest versammelt, darunter 26 olympische Goldmedaillengewinner und 26 Weltmeister der jüngsten globalen Wettkämpfe. Der Anreiz ist klar: ein Rekord-Preisgeld von insgesamt 10 Millionen Dollar, wobei die Gewinner einzelner Disziplinen 150.000 Dollar erhalten – mehr als doppelt so viel wie bei den vorherigen Weltmeisterschaften in Tokio. Sogar die Sechzehntplatzierten erhalten 2.000 Dollar, während siegreiche Staffelteams 80.000 Dollar unter ihren Läufern aufteilen.

Um zu verhindern, dass moderne TV-Zuschauer den Kanal wechseln, hat World Athletics die traditionelle Wettkampfarchitektur überarbeitet. Qualifikationsläufe wurden vollständig zugunsten sofortiger Halbfinals und Finals abgeschafft. Technische Disziplinen erfahren eine ähnliche Verkürzung; Werfer erhalten nur vier statt sechs Versuche, während bei Gleichstand im Hoch- und Stabhochsprung nicht mehr geteilt, sondern definitive Stechen erzwungen werden. In einer weiteren Abkehr von der Tradition sind Metallmedaillen verschwunden und wurden durch individuelle Token und maßgeschneiderte Trophäen ersetzt.

Doch dieses Streben nach Unterhaltungskennzahlen hat einen hohen Preis für die Vielfalt der Disziplinen. In einem kalkulierten Bemühen, schnelllebige Disziplinen zu bevorzugen, wurden mehrere zentrale Feld- und Ausdauerwettkämpfe vollständig aus dem Zeitplan gestrichen. Kugelstoßen, Dreisprung, Diskuswurf, der Frauen-Hammerwurf, der 3.000-Meter-Hindernislauf und der 10.000-Meter-Lauf wurden alle aufgrund von Zuschauerdaten ausgeschlossen.

Die Entscheidung hat scharfe Kritik von den ausgeschlossenen Athleten hervorgerufen. Diskuswerfer Matthew Denny forderte den Dachverband öffentlich heraus und wies darauf hin, dass Einnahmen dieser Größenordnung Karrieren verändern und argumentierte, dass Innovation professionelle Möglichkeiten nicht schmälern sollte. Der ehemalige Dreisprung-Champion Pedro Pichardo äußerte sich ebenfalls bestürzt darüber, an der Seitenlinie zu stehen.

Nichtsdestotrotz werden die Top-Stars des Sports auf die Bahn gehen. Stabhochspringer Armand Duplantis aus Schweden führt das Feld zusammen mit den Hürdenspezialistinnen Alison dos Santos und Masai Russell an, die beide nach ihren jüngsten Rekordleistungen in Zürich antreten. Ob dieses komprimierte Format tatsächlich langfristiges Zuschauerinteresse sichert, bleibt zweitrangig gegenüber der unmittelbaren Botschaft: In der modernen Leichtathletik bestimmen Aufmerksamkeitsspannen die Regeln.

Verfasst von Andreas Hofer

andreas.hofer@alpineweekly.com