
Argentiniens Sieg über England würde immer mit einer politischen Rechnung einhergehen

Argentiniens Platz im WM-Finale mag auf dem Spielfeld errungen worden sein, doch die Feierlichkeiten nach dem Spiel gerieten schnell in ein Terrain, das die FIFA lieber aus ihren Statistiken heraushält. Nach dem Sieg über England im Halbfinale droht Argentinien nun eine Geldstrafe, nachdem ein Banner und eine Reihe nationalistischer Gesten den Anspruch des Landes auf die Falklandinseln wieder aufleben ließen. Der Fußball konnte, wie immer, nicht lange nur Fußball bleiben.
Die auffälligste Intervention kam von Vizepräsidentin Victoria Villarruel, die nach dem Sieg am Mittwoch auf X postete, dass dies nicht nur ein weiteres Spiel sei, und ein Video anhängte, das argentinische Soldaten zu zeigen schien. Sie erklärte auch, dass die Falklandinseln argentinisch seien und beklagte, dass, obwohl das Banner vom Stadion verbannt worden war, das Gefühl im Blut und in den Herzen des Landes weiterlebte. Vor dem Spiel hatte sie das Halbfinale als Chance beschrieben, die Eindringlinge in ihre Schranken zu weisen. Subtilität, mit anderen Worten, stand nicht auf der Kaderliste.
Auch die Spieler waren nicht gerade Musterbeispiele an Zurückhaltung. Nach ihrem dramatischen 3:2-Sieg gegen Ägypten im Achtelfinale sangen sie Gesänge, die sich auf die Falklandinseln sowie auf die argentinischen Ikonen Diego Maradona und Lionel Messi bezogen. So etwas mag in der Umkleidekabine und in den sozialen Medien gut ankommen, ruft aber auch die Art von disziplinarischer Aufmerksamkeit hervor, von der Fußballbehörden gerne so tun, als sei sie unerwartet.
Lionel Scaloni, der Trainer, hatte vor dem Halbfinale versucht, eine klarere Linie zu ziehen. Er sagte, er würde Fußball und Politik nicht vermischen und betonte, dass das Spiel als Fußballspiel behandelt werden sollte, insbesondere aus Respekt vor dem, was vor vielen Jahren geschah. Er nannte die Periode eine traurige in der Geschichte Argentiniens und sagte, dass jetzt wenig dagegen getan werden könne. Er bemerkte auch, dass Kriege anderswo stattfinden und zu Recht kritisiert werden, bestand aber darauf, dass das Spiel selbst nicht mit diesen Streitigkeiten verwechselt werden sollte. Es war eine vernünftige Position, weshalb sie wahrscheinlich nach dem Schlusspfiff übertönt wurde.
Das Halbfinale war wegen der langen historischen Spannungen zwischen Argentinien und England mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen verbunden. England wurde durch späte Tore von Enzo Fernandez und Lautaro Martinez geschlagen, und das Ergebnis ermutigte niemanden dazu, seine Feierlichkeiten sauber und unpolitisch zu halten. Die FIFA steht nun vor der bekannten Aufgabe, zu entscheiden, ob ein fußballerischer Ausbruch, der nach jüngsten Maßstäben fast unvermeidlich war, bestraft werden soll. Die größere Lehre ist kaum neu: Der internationale Sport verkauft sich gerne als neutrale Bühne, bis die alten Grollgefühle in Nationalfarben wieder darauf zurückkehren.
Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com
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