Die alltäglichen Triumphe der Schweizer Jugend

Eine Zürcher Studie zeigt: Jugendliche werden stärker von Lehrstellen und Prüfungen geprägt als von existenzieller Angst.

The Ordinary Triumphs of the Swiss Youth

Folgt man der vorherrschenden kulturellen Erzählung, ist der moderne Jugendliche eine zerbrechliche Kreatur, die ständig am Rande des existenziellen Zusammenbruchs taumelt. Zwischen globalen Krisen und dem unerbittlichen Druck des digitalen Lebens könnte man annehmen, die Jugend sei durchweg unglücklich. Doch eine aktuelle Langzeitstudie der Universität Zürich deutet auf etwas ganz anderes hin. Es stellt sich heraus, dass junge Menschen zwischen fünfzehn und vierundzwanzig Jahren überwiegend von positiven, völlig gewöhnlichen Erfahrungen beschäftigt und geprägt werden.

Im komfortablen, wohlhabenden der Schweiz – einem Land, dessen robustes Bildungssystem und gesunde Wirtschaft es vor vielen der schärferen Kanten der Welt schützt – baten Forscher junge Erwachsene, die wichtigsten persönlichen Ereignisse der letzten Jahre zu nennen. Die Ergebnisse könnten diejenigen enttäuschen, die eine von Angst geplagte Jugend bevorzugen. Fast fünfzig Prozent der Antworten konzentrierten sich auf Schule, Bildung und Ausbildung. Weitere zwölf Prozent betrafen Freundschaften und romantische Beziehungen. Die großen Meilensteine der Jugend sind keine ideologischen Erweckungen oder kollektiven Traumata, sondern eher das Bestehen einer Prüfung, das Unterschreiben eines Ausbildungsvertrags oder der Umzug in die erste eigene Wohnung.

Lilly Shanahan, die die Forschungsgruppe an der Universität leitet, stellte fest, dass die klinische Psychologie traditionell davon besessen ist, was in der jugendlichen Entwicklung schiefläuft. Forscher haben Jahrzehnte damit verbracht, Traumata zu jagen und negative Lebensereignisse zu katalogisieren. Die Zürcher Studie kehrt diese Prämisse um und zeigt, dass typische Entwicklungsmeilensteine als primäre psychologische Anker für junge Erwachsene dienen. Was Akademiker als normale Lebensereignisse einstufen, sind in Wirklichkeit genau die Dinge, die Resilienz aufbauen.

Natürlich verschieben sich die Prioritäten mit dem Alter der Probanden. Mit fünfzehn liegt der Fokus stark auf Schulhofdynamiken und frühen Freundschaften. Mit vierundzwanzig erweitert sich der Horizont auf Berufsaussichten, ernsthafte Partnerschaften und eigenständiges Leben. Es ist eine sehr traditionelle Entwicklung, die ein gut funktionierendes Staatssystem widerspiegelt, in dem harte Arbeit in der Bildung immer noch zuverlässig zu persönlicher Unabhängigkeit und einem stabilen Lebensunterhalt führt.

Es gibt natürlich auch einen dunkleren Kontrapunkt in den Daten. Teilnehmer, die Symptome von Angst und Depression zeigten, berichteten erwartungsgemäß von einer höheren Häufigkeit von Konflikten und Verlusten, während sie weniger positive Meilensteine wie bestandene Prüfungen oder Reisen nannten. Die klinische Realität psychischer Gesundheitsprobleme bleibt bestehen. Die Forscher kommen jedoch zu dem Schluss, dass therapeutische und gesellschaftliche Unterstützung sich nicht nur auf die Linderung von Leid konzentrieren sollte.

Anstatt die Adoleszenz als eine Krankheit zu behandeln, die es zu bewältigen gilt, legen die Daten ein viel einfacheres Heilmittel nahe. Die Ermöglichung gewöhnlicher Errungenschaften – ein stabiler Job, eine gute Ausbildung, ein normales soziales Leben – bleibt der effektivste Weg, psychologische Stabilität zu fördern. Es ist eine bemerkenswert bodenständige Schlussfolgerung, auch wenn es eine akademische Studie brauchte, um uns daran zu erinnern, dass das Erreichen eines Ziels Menschen tatsächlich ein gutes Gefühl gibt.

Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com