
Der Millionen-Franken-Blitzer: Usters unzertifizierte Einnahmequelle
Eine Zürcher Gemeinde nahm Rekordbussen mit nicht genehmigter Überwachungstechnologie ein und enthüllte einen lukrativen Konflikt zwischen lokalem Opportunismus und föderaler Bürokratie.

Die Stadtbehörden im wohlhabenden Schweizer Kanton Zürich haben die Kunst der administrativen Effizienz längst perfektioniert. In der Stadt Uster manifestierte sich diese Effizienz kürzlich in Form von zwei Überwachungskameras an einem lokalen Bahnübergang. Zwischen Februar und Oktober 2025 stellte dieses automatisierte System stillschweigend rund 4.400 Verkehrsbussen aus, wobei jedem ahnungslosen Autofahrer 250 Schweizer Franken entzogen wurden. Als das System im Herbst abgeschaltet wurde, hatte es 1,1 Millionen Franken in die Gemeindekasse gespült. Dieser unerwartete Geldsegen trug dazu bei, die gesamten Busseneinnahmen der Stadtpolizei auf einen Rekordwert von 3,2 Millionen Franken für das Jahr zu steigern.
Die offizielle Begründung für diesen mechanischen Steuererheber war, wenig überraschend, die öffentliche Sicherheit. Autofahrer ignorierten Berichten zufolge blinkende Warnlichter oder fanden sich zwischen herabfahrenden Schranken eingeklemmt. Um dies zu beheben, setzte die Uster Polizei ein System ein, das sechs Sekunden nach dem Aufleuchten der Warnlichter auslöste. Doch in ihrem Eifer, gefährliches Fahren zu ahnden, umgingen die lokalen Behörden bequemerweise die Bundesaufsicht. Die Kameras wurden ohne die erforderliche Genehmigung der nationalen Regierung installiert, was einen Rechtsstreit zwischen kommunalen Opportunisten und Bundesregulierungsbehörden auslöste.
Im Kern des Disputs liegt eine bürokratische Formalie bezüglich der genauen Definition der Ausrüstung. Die Debatte dreht sich darum, ob die Kamera lediglich einen Verkehrsverstoss dokumentiert oder als formelles Messgerät fungiert. Ist Letzteres der Fall, so schreibt das Schweizer Gesetz vor, dass es vom Eidgenössischen Institut für Metrologie streng geprüft und zertifiziert werden muss – eine Behörde, die das Uster-System nie bewertet hat. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) schaltete sich schliesslich ein, wobei Sprecher Jérôme Jacky darauf hinwies, dass automatisierte Bussensysteme Verstösse zuverlässig erkennen müssen, wodurch die Zertifizierung eine grundlegende Voraussetzung für die Verhängung von Bussen darstellt.
Trotz des eklatanten Mangels an bundesstaatlicher Genehmigung bleibt die lokale Regierung unapologetisch bezüglich ihrer unerlaubten Überwachungsaktion. Die Stadtpräsidentin von Uster, Barbara Thalmann, verteidigte den Einsatz öffentlich und versicherte, dass vor der Installation umfassende rechtliche Prüfungen durchgeführt wurden und die Stadt fest davon überzeugt ist, dass die Kameras rechtmässig sind. Dennoch deaktivierte die Stadt die lukrative Ausrüstung stillschweigend, als der regulatorische Druck zunahm. Diese abrupte Abschaltung fällt mit einer breiteren, laufenden Untersuchung finanzieller Unregelmässigkeiten innerhalb der Stadtpolizei Uster zusammen.
Für die Autofahrer, die ihre Bussen bereits bezahlt haben, bietet dieser bürokratische Rückzug keine finanzielle Entlastung. Die zuvor ausgestellten Bussen bleiben rechtlich bindend, wobei nur eine Handvoll anhängiger Berufungen Aussicht auf eine Rückerstattung bieten. Die gesamte Episode bietet einen makellosen Einblick in die kommunale Verwaltung eines wohlhabenden Staates: Lokale Behörden dehnen die Regeln, um maximale Einnahmen zu erzielen, Bundesbehörden erteilen aus der Ferne höfliche Rügen, und der Bürger bleibt letztendlich auf der Quittung sitzen.
Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com
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