Schweizer Gletscher schmelzen frühzeitig durch anhaltende europäische Hitze

Eine schwere Hitzewelle und geringe Schneefälle im Winter haben die Alpen dazu gebracht, ihre winterliche Eisdecke Monate früher als geplant zu verlieren.

Swiss Glaciers Face Early Melting Point as European Heat Persists

Bis Montag werden die winterlichen Schnee- und Eisreserven, die die Schweizer Gletscher bedecken, voraussichtlich vollständig verschwunden sein. Die Forscher von Glacier Monitoring in Switzerland (GLAMOS) verfolgen einen Schwellenwert, der als Gletscherschwundtag bekannt ist. Historisch gesehen war das Erreichen dieses Punktes eine Spätsommerangelegenheit, die typischerweise Mitte August eintrat. Angetrieben von einer intensiven Frühsommer-Hitzewelle, die über Europa fegt, hat sich das Datum um fast zwei Monate vorverlegt.

Seit Beginn der Datenerfassung vor über zwei Jahrzehnten ist dieser Wendepunkt nur einmal früher eingetreten, nämlich am 26. Juni 2022. Ab Montag wird jeder Tag mit erhöhten Temperaturen bis Oktober das eigentliche Gletschereis schrumpfen lassen. Matthias Huss, Leiter des Überwachungsnetzwerks, stellte fest, dass die Alpen massive Schnee- und Eisablationen erfahren. Er beobachtete, dass die Gletscher derzeit drei Monate vor ihrem normalen Schmelzplan liegen, eine deutliche Abweichung von einem gesunden Zustand.

Die Mechanismen dieses Rückzugs sind unerbittlich und sich verstärkend. Die Wintersaison lieferte etwa 25 Prozent weniger Neuschnee als der zwischen 2010 und 2020 aufgezeichnete Durchschnitt. Infolgedessen haben ungewöhnlich warme Temperaturen im Mai und Juni den reflektierenden weißen Schnee viel früher als erwartet abgetragen. Was freiliegt, ist das dunklere, ältere graue Eis darunter. Diese dunklere Oberfläche absorbiert die Sonnenstrahlung wesentlich effizienter, wodurch der Schmelzzyklus in einer sich selbst verstärkenden Schleife beschleunigt wird.

Obwohl der Gletscherrückgang in der Region vor etwa 170 Jahren begann, war das Tempo bis in die letzten Jahrzehnte relativ moderat. Jetzt ist die Beschleunigung unbestreitbar. Der Leiter des Überwachungsnetzwerks prognostiziert, dass die Gletscher, wenn die aktuellen Erwärmungsmuster anhalten, bis zum Jahr 2100 auf bloße Reste reduziert sein werden.

Jenseits der Schweizer Grenzen haben die Temperaturen diese Woche in Teilen Europas Rekordwerte von über 40 Grad Celsius erreicht. Diese extreme Hitze verursacht auf dem gesamten Kontinent Chaos, erhöht den Druck auf Krankenhäuser und Rettungsdienste und führt zu mehreren Todesfällen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die extremen Temperaturen, die derzeit Europa heimsuchen, noch vor wenigen Jahrzehnten fast unmöglich gewesen wären, und warnen, dass der Klimawandel rasch voranschreitet.

Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com