Die stille Armee, die die Schweiz auf dem richtigen Weg hält

Wie ein dezentrales Netzwerk von Rentnern 65.000 Kilometer Wanderwege ohne bürokratischen Ballast instand hält.

The Quiet Army Keeping Switzerland on the Right Path

Die Schweiz verfügt über ein beeindruckendes Netz von 65.000 Kilometern Wanderwegen, so weitläufig und akribisch gepflegt, dass man annehmen könnte, ein weitläufiges Ministerium beaufsichtige jeden Zentimeter Schotter und Erde. Doch die Realität dieser Infrastruktur beruht weitgehend auf einer viel einfacheren, hochwirksamen Ressource: Rentnern mit Freizeit und einem Sinn für bürgerschaftliches Engagement. Felix Feurer, ein siebenundsiebzigjähriger ehemaliger Bergsteiger, bildet das Rückgrat dieses Systems. Anstatt sich auf einen aufgeblähten bürokratischen Apparat zu verlassen, um die Wege freizuhalten, stützt sich das Land auf Bürger wie ihn, um die alltägliche, aber wesentliche Instandhaltung seiner öffentlichen Räume zu bewältigen.

Im Zürcher Weinland verbrachte Feurer kürzlich einen Tag mit Arbeiten entlang der Route, die die Dörfer Wildensbuch und Rudolfingen verbindet. Ausgestattet mit einem in einen lokalen Brunnen getauchten Tuch, einer Gartenschere und einem Akkuschrauber sorgt er dafür, dass die allgegenwärtigen gelben Wegweiser sichtbar und lesbar bleiben. Mit 1,85 Metern wischt er mühelos die höchsten Markierungen ab, die auf Nachbarorte wie Schlatt, Feuerthalen und Schaffhausen hinweisen. Wenn überwachsenes Laub ein Schild am Waldrand zu verdecken droht, schneidet er es einfach zurück und befestigt gelegentlich kleinere Metall-Wegweiser direkt an Strommasten.

Dieser lokalisierte Ansatz zur Infrastrukturpflege verdeutlicht eine besondere Stärke des Schweizer Staatssystems. Es funktioniert außergewöhnlich gut, gerade weil es nicht versucht, alles von einer fernen Hauptstadt aus bis ins Kleinste zu verwalten. Allein im Kanton Zürich ist ein Verein von über zweihundert Freiwilligen für die Pflege von rund 3.000 Kilometern Wanderwegen verantwortlich. Ihr kollektives Ziel ist höchst praktisch: physische Karten für jeden, der das Netz navigiert, gänzlich überflüssig zu machen.

Die stille Effizienz dieser Freiwilligenarmee steht in scharfem Kontrast zu den oft in größeren supranationalen Organisationen zu beobachtenden schwerfälligen, top-down geführten Managementstilen. Unbelastet von endlosen Ausschusssitzungen erledigen die Bürger die Arbeit schnell und lokal. Für Personen wie Feurer bietet diese unbezahlte Arbeit eine strukturierte Routine und regelmäßige soziale Interaktion mit vorbeigehenden Wanderern. Nach Jahren des Besteigens steiler Alpengipfel bevorzugt er heute die sanftere Topographie des Flachlandes, wo er körperliche Aktivität und eine Flucht vor der Sommerhitze in schattigen Wäldern findet.

Natürlich bedeutet die Schweizer Vorliebe für Ordnung, dass dieser freiwillige Einsatz nicht in einem kompletten Vakuum existiert. Offizielle Inspektoren regionaler und nationaler Wanderorganisationen patrouillieren weiterhin die Routen, um Mängel zu protokollieren und sicherzustellen, dass Standards eingehalten werden. Die Freiwilligen nutzen diese Berichte dann, um ihre Wartungsarbeiten gezielt durchzuführen. Sie betrachten die Aufsicht nicht als Einmischung, sondern als praktischen Mechanismus, um alles zu entdecken, was ihren eigenen Augen entgangen sein könnte. Letztendlich funktioniert das System, weil es auf einer pragmatischen Mischung aus bürgerschaftlicher Verantwortung und bescheidener staatlicher Aufsicht beruht, die es den Bürgern ermöglicht, die Infrastruktur, die sie genießen, stillschweigend zu erhalten.

Geschrieben von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com