
Papierregelungen und tropische Raubtiere an der Donau
Eine in Niederbayern gefundene Riesenschlange aus Südamerika entlarvt die Kluft zwischen strengen Gesetzen für exotische Haustiere und der Realität.

Ein Spaziergang am Donauufer bei Kirchroth ist normalerweise eine Übung in vorhersehbarer ländlicher Ruhe. Ringelnattern und Äskulapnattern kreuzen gelegentlich den Weg – harmlose heimische Arten, die die Anwohner ohne Alarm erkennen, selbst wenn Äskulapnattern fast zwei Meter Länge erreichen können. Doch als eine 66-jährige Spaziergängerin auf ein riesiges Reptil stieß, das sich in der Sonne sonnte, war sofort klar, dass Niederbayern einen ungebetenen Gast bekommen hatte. Die Frau meldete der örtlichen Polizei, dass das Geschöpf deutlich länger war als alles, was in der Region heimisch ist.
Die anschließende Notfallreaktion führte Polizeibeamte, Feuerwehrleute und einen spezialisierten Reptilienexperten zusammen. Das Tier wurde schnell als Anakonda identifiziert, eine große Würgeschlange, die in den Flussgebieten Südamerikas heimisch ist. Dass sich ein solches Raubtier im Landkreis Straubing-Bogen aufhielt, deutet auf eine bekannte Diskrepanz zwischen bürokratischer Regulierung und deren Durchsetzung vor Ort hin.
Das bayerische Gesetz regelt die Haltung solcher Kreaturen streng und stuft sie ausdrücklich als gefährliche Tiere einer Wildart ein. Die Haltung einer Anakonda ist nur unter strengen gesetzlichen Auflagen erlaubt. Dennoch zeigte das gefangene Exemplar deutliche Anzeichen dafür, dass es über einen längeren Zeitraum in privater Gefangenschaft gehalten worden war. An die menschliche Anwesenheit gewöhnt, leistete die Schlange keinerlei Widerstand, als die Einsatzkräfte sie sicherten.
Während ein zwei Meter langes Exemplar für eine Anakonda relativ bescheiden ist, stellt die Art ein gewaltiges Raubtier dar. Ausgewachsene Anakondas können Längen von bis zu neun Metern erreichen und bis zu 200 Kilogramm wiegen. Während kleinere Individuen und Männchen hauptsächlich Vögel fressen, jagen ausgewachsene Weibchen schließlich weit größere Beute, darunter junge Hirsche, Wasserschweine und Kaimane, die sie durch Erdrosseln ersticken, bevor sie sie ganz verschlucken.
Das bei Kirchroth entdeckte Exemplar hatte glücklicherweise noch eine Größe, bei der sein Appetit hauptsächlich auf Vögel beschränkt war. Wie ein exotisches Raubtier an einem öffentlichen deutschen Wasserweg landete, bleibt unbestätigt, aber der Vorfall zeigt, wie leicht strenge staatliche Vorschriften für gefährliche Wildtiere in der Praxis umgangen werden können.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com




