Blut in St. Pauli und die Standard-Bürokratenroutine

Zwei Tote in Hamburg, Hunderte Polizisten auf den Straßen und die übliche offizielle Beschwichtigung.

Blood in St. Pauli and the Standard Bureaucratic Routine

Ein Fabrikgelände im Hamburger Stadtteil St. Pauli wurde über Nacht zu einem tödlichen Tatort, als Schüsse in der Nähe des S-Bahnhofs Sternschanze hallten. Zwei Männer starben noch vor Ort in der Lagerstraße an Schusswunden, Zeugen alarmierten die Behörden zu einem Geschehen, das bereits außer Kontrolle geraten war. Als die Notrufe bearbeitet wurden, war das Ergebnis besiegelt, und die Strafverfolgungsbehörden leiteten eine umfassende nachträgliche Operation ein.

Die Reaktion des Staates war schnell in der Präsenz, wenn auch verzögert in der Prävention. Mehr als zwei Dutzend Streifenwagenbesatzungen und mehrere Hundert Polizeibeamte schwärmten in das Gebiet aus und verwandelten den Stadtteil in ein bewaffnetes Aufmarschgebiet. Schwer bewaffnete Polizeikontingente durchkämmten die Nachbarschaft im Rahmen einer massiven Fahndung. Doch trotz des taktischen Aufwands und der schieren Menge an Personal, das nach dem Ende der Schießerei eingesetzt wurde, gelang es dem Schützen, in der Nacht zu verschwinden.

Die Mordkommission bot schnell ihre vorläufige Einschätzung an, die auf eine frühere Beziehung zwischen Täter und Opfern hinwies. Basierend auf dieser Arbeitshypothese gab ein Sprecher der Polizeieinsatzzentrale die standardmäßige beruhigende Verwaltungsformel aus und erklärte, dass keine Gefahr für die Bewohner bestehe.

Es ist ein bemerkenswert ausgefeiltes Stück institutioneller Rhetorik. Von der Öffentlichkeit wird implizit erwartet, Trost aus der Vorstellung zu schöpfen, dass tödliche Waffengewalt auf lokalen Industriegeländen lediglich eine private, gezielte Angelegenheit sei. Dass ein Doppelmord mit Schusswaffen in einer deutschen Großstadt Hunderte von Beamten erfordert, um die unmittelbare Nachwirkung zu sichern, scheint zweitrangig gegenüber dem bürokratischen Imperativ, Ruhe zu bewahren.

Wenn massive Polizeieinsätze zum Standardhintergrund urbaner Gewalt werden, klingt das offizielle Beharren auf öffentliche Sicherheit zunehmend hohl. Die Routine ist nun fest etabliert: Schüsse im Viertel, eine massive post-Ereignis-Demonstration bewaffneter Gewalt und sofortige offizielle Zusicherungen, dass die breite Öffentlichkeit nichts zu befürchten hat. Die Bürger fragen sich, wie lange administrative Befriedung vorgeben kann, ein Ersatz für tatsächliche häusliche Ordnung zu sein.

Geschrieben von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com