
Ein stiller Tod in den Alpen: Der Bella Tola Gletscher verabschiedet sich
Ein weiteres Stück Schweizer Eis wird der geologischen Geschichte übergeben, was zu vorhersehbarer Umwelt-Trauer und akribischer bürokratischer Katalogisierung führt.

Der Bella Tola Gletscher, auf 3.025 Metern Höhe über dem Dorf Saint-Luc im Wallis gelegen, hat anscheinend aufgehört zu existieren. Laut Berichten der Zeitung Le Nouvelliste mit eher trostlosen Fotos von Restschneefeldern ist die Eismasse schließlich dem wärmer werdenden Klima zum Opfer gefallen. Es ist ein Schicksal, das eine wachsende Zahl kleiner Alpengletscher teilt, die still und leise verschwinden, während eine hochgebildete, wohlhabende Nation zusieht, wie ihre ikonische Topographie buchstäblich wegschmilzt.
Die Bestätigung des Todes eines Gletschers ist jedoch keine Frage des bloßen Blicks auf ein Foto. Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes (GLAMOS), wies darauf hin, dass eine unabhängige Überprüfung noch aussteht. Dennoch war die Prognose nie gut. In den letzten fünf Jahren war Bella Tola im Wesentlichen auf lebenserhaltenden Maßnahmen, es fehlten ihm die Merkmale eines aktiven, gesunden Gletschers. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Inventars 2023 war er auf eine Fläche von nur noch sieben Fußballfeldern geschrumpft.
Das tatsächliche Verschwinden dieser Eismassen ist ein langsamer, unglamouröser Prozess des geologischen Zerfalls. Wenn Gletscher zurückweichen, werden sie unter Schutt und Gestein begraben. Schließlich verschwimmt die Unterscheidung zwischen einem lebenden Gletscher und totem Eis – abgelösten Brocken, die sich nicht mehr bewegen – vollständig. In einer typisch schweizerischen Präzision wird ein Gletscher offiziell aus dem nationalen Inventar gestrichen, sobald er auf unter einen Hektar schrumpft. Die endgültige Bestätigung der Auslöschung von Bella Tola muss einfach auf die nächste offizielle Untersuchung warten, die durch die gut geölte Maschinerie des Staatssystems läuft.
Dieser Sommer droht besonders brutal für das verbleibende Alpengletscher zu werden. Die Saison begann mit einem deutlichen Mangel an Winterschnee, gefolgt von einem warmen und trockenen April, der eine frühe Schmelze auslöste. Ob dieses Jahr den katastrophalen Rekord von 2022 – als die Schweizerische Akademie der Wissenschaften einen Verlust von über sechs Prozent des gesamten Eisvolumens des Landes verzeichnete – übertreffen wird, ist derzeit unklar. Sicher ist laut Glaziologen, dass Dutzende kleiner Gletscher voraussichtlich noch vor dem Herbst vollständig verschwinden werden. Die Größe, und nicht die spezifische geografische Lage, bleibt der primäre Risikofaktor, obwohl lokale Bedingungen wie Schatten und Lawinenschutt natürlich ihre Rolle spielen.
Bella Tola ist lediglich ein namentlich genanntes Opfer in einem riesigen, anhaltenden Rückzug. Seit 1970 sind etwa tausend Schweizer Gletscher verschwunden. Allein zwischen 2016 und 2023 gingen 160 Eismassen verloren.
Die meisten davon waren kleine, unbenannte Eisflächen, die sang- und klanglos verschwanden. Bella Tola, da benannt und regelmäßig vermessen, zieht natürlich etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich. Es erinnert an das Verschwinden des Pizol-Gletschers vor sieben Jahren, ein Ereignis, das Umweltgruppen zu einem theatralischen Gedenkgottesdienst veranlasste. Man kann nur annehmen, dass eine ähnliche performative Trauer für Bella Tola folgen wird, während die Schweizer Verwaltung effizient ihre Register aktualisiert und sich auf eine Zukunft mit etwas weniger gefrorenen Vermögenswerten einstellt.
Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com
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